Mein erstes Kaizers Konzert auf der Grand Finale Tour erwartete mich, als ich mich am Donnerstag in das Flugzeug Richtung Oslo setzte. Diesmal sollten die Herren zum ersten Mal im Sentrum Scene spielen, das etwas größer als das Rockefeller ist, wo Kaizers schon unzählige Male vor ausverkauftem Haus aufgetreten sind. Drei neue und einige selten gespielte Songs waren schon auf den ersten Konzerten der Tour gespielt worden, und so waren meine Erwartungen sehr hoch.
Als ich um etwa vier Uhr in Oslo ankam, wurde es schon langsam dunkel, und es war schon deutlich kälter als in Bonn – was für ein Wunder... Immerhin regnete es nicht. An diesem Abend ging ich erstmal ins Theater, um eine Hamlet Aufführung mit Aksel Hennie, einem der in Norwegen beliebtesten Schauspieler, zu sehen (bekannt aus Filmen wie "Buddy", "Uno" oder "Hawaii Oslo"). Die Aufführung war allerdings leider sehr dröge und leblos, und Hennie gab einen viel zu jähzornigen, aggressiven Hamlet ab. Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Hinzu kam noch, dass mehrere Schulklassen anwesend waren, darunter kleine Mädchen, die sich jedes Mal, wenn Hennie die Bühne betrat, in die Seite kniffen und kicherten. So ging der "å være eller ikke å være" Monolog im Knistern von Chipstüten, dem Gekicher von Teenagern und Handy-Piepsgeräuschen unter. Naja, immerhin war es schön, Hennie mal von so Nah zu erleben. Außerdem – mal so als Tipp – die Eintrittskarten im Centralteatret sind eine halbe Stunde vor Aufführungsbeginn um die Hälfte billiger…
Am Freitag fand erstmal eine Signierstunde mit Kaizers in der Buchhandlung Tanum statt. Übermäßig viele Damen hatten sich eingefunden, um Kaizers diverse CDs, Taschen, selbst gebastelte Fotoalben, Hosen, Zehen u. ä. signieren zu lassen. Kaizers, Jan Zahl und der Fotograf Paal Audestad ließen alles brav über sich ergehen und signierten anstandslos alles, was man ihnen unter die Nase schob (sogar meine Zigarettenschachtel, obwohl z.B. Monsieur Hellraizer ein überzeugter Anti-Raucher ist!). Hier traf ich übrigens auch Linda aus Holland, die extra für Kaizers nach Norwegen gekommen war. Abends sahen wir uns vor dem Sentrum Scene wieder. Wie üblich ging die Schlange vor dem Eingang bis um die Ecke und es dauerte sehr lange bis wir hineinkamen. Da galt es dann auch erstmal die neuen Merchandise Artikel zu bewundern, darunter ein T-Shirt mit Helge und der Aufschrift "The man behind the mask", Unterwäsche-Sets in Rosa und Schwarz, Buttons, Sticker, Taschen usw. Sogar der Merchman ist neu, es ist nämlich der berühmtberüchtigte Bassist von Skambankt - "Don Fist" persönlich .
Das Sentrum Scene sieht zunächt nicht besonders groß aus, verfügt aber über zwei riesige bestuhlte Galerien, die steil zur Bühne abfallen, und wo wir dann auch Platz nahmen (ich bin halt ein fauler Sack...). So hatten wir einen sehr schönen Blick von oben auf die Bühne. Auf Øyvinds Platz hatte man eine Staffelei und Acrylfarben platziert. Es war ihm also erst damit, dass er während der Show ein Gemälde fertigstellen wollte. Verrrrrückt! Leider hatte ich bei diesem Konzert meine Kamera nicht dabei, da das Sentrum Scene mit "No photo – no video" Hinweisen zugepflastert war.
Zunächst einmal betrat Jan Zahl die Bühne, hieß das Publikum zum "Literaturabend" willkommen und stellte kurz das Buch vor. Den musikalischen Anfang machte dann mein spezieller Freund Geoff Berner, der ein zwei neue Lieder aus seinem bald erscheinenden Album zum Besten gab und ein paar Exemplare seines kleinen, roten Buches "How to be an Accordion Player" unter das Volk brachte. Das Publikum hatte seinen Spaß und Herr Berner war zu meiner Erleichterung auch recht schnell wieder weg. Schon bald wurde der "Russian Dance" eingespielt und das riesige Kaizers Orchestra Logo im Hintergrund leuchtete rot auf. Jubel! Kaizers betraten nach und nach die Bühne und die ersten Akkorde von "Dieter Meyer" erklangen. Janove legte los mit einem sanft dahingehauchten "Legg meg inn…" und das Publikum machte weiter, während Janove sich zurücklehnte und fasziniert zuhörte, wie der ganze Saal den Text auswendig sang. Was soll man dazu sagen? Et war janz doll emotional! Nach dem immer wieder fesselnden Tonnensolo und einem explosiven LEGG - MEG - IIIIIIIINN! ging es dann energisch weiter mit "KGB", "Delikatessen", "Ompa Til Du Dør", und "Bøn Fra Helvete". Das Publikum klatschte, tanzte und stampfte, dass unsere Sitze oben auf der Galerie wackelten. In den Pausen zwischen den Liedern konnte man beobachten, wie Øyvind fleißig an seinem Gemälde arbeitete. Richtig schön wurde es dann, als das erste neue Lied "Den Sjette Sansen" angekündigt wurde. Auch auf die Gefahr hin, dass man mich für bescheuert hält - mein allererster Eindruck war eine Mischung aus dem Anfang von "Hold me Kill me..." von U2 und "Paradise City" von Guns’n’Roses. Man hat halt manchmal seltsame Assoziationen… Ein kleiner Western- meets Hardrock-Sound war auf jeden Fall nicht zu überhören. Hat mir gut gefallen, mehr davon! Auf das Lied folgte dann "Du Og Dine Er Even", wovon schon seit einiger Zeit eine schlechte Bootlegaufnahme durchs Netz geistert. Allerdings fängt die neue Version nicht direkt mit Orgelklängen an, sondern mit harten Schlagzeug Rhythmen, was dem Song besser bekommt. Es ist ein eingängiger und melodischer Pop-Rocksong mit sanften 70er Jahre Anklängen, tanzbar und mit ausgesprochenen Ohrwurmqualitäten! Vielleicht sogar ein Dancefloor Hit?
Nach dem die Band "Container", "Señor Flamingos Adieu" und "Blitzregn Baby" gespielt hatte, wurde es Zeit für eine Nummer, die schon lange nicht mehr auf der Setlist gestanden hatte: "Død Manns Tango", ein herzzerreißend schönes Lied, das mir regelmäßig die Tränen in die Augen treibt (ja, es ist als Mascara-Trägerin nicht vorteilhaft, so nah am Wasser gebaut zu sein…). Nach einem fulminanten "Kontroll På Kontinentet" mit Handtuch- und Moses-Performance gab es dann den nächsten selten gespielten Song: "Kvite Russer". Persönlich bin ich kein Fan dieses Liedes, aber die Art, wie Janove es gestaltete, war dann doch beeindruckend. Und zwar bat er die Männer den tiefen und versoffen klingenden "Laalaalaa"-Part zu übernehmen, während die Frauen "Kvit- kvite russeeer" quietschen sollten. Wir machten auch alle brav mit und Janove war ganz der Maestro, dirigierte das Publikum und amüsierte sich dabei. Ob das wohl auch in Deutschland funktionieren würde? Mal schauen, ob Janove den Versuch macht… Auf "Kvite Russer" folgte auf jeden Fall "Tokyo Ice Til Clementin", der perfekte Western-Cartoon Song, und einer meiner Favoriten, von Janove bezeichnet als "Tivoli"-Song. Er ist zwar sehr kurz, aber unheimlich erfrischend und witzig, vor allem dort, wo Geir mit Frauenstimme "lalalalala" singt. Kult - wie der Norweger zu sagen pflegt!
Da Kaizers anscheinend auf dieser Tour nicht vorhaben das
traditionelle "Gypsy Finale" zu geben, kamen nun "Sigøynerblod",
"Bak Et Halleluja" und "Maestro", wonach erstmal Øyvinds
Gemälde versteigert wurde. Zu meiner Überraschung präsentierte
der höfliche Helge dem Publikum ein recht sauber gemaltes, modernes Gemälde
bestehend aus einem senkrechten roten und zwei waagerechten schwarzen Balken
auf weißem Hintergrund (ich hatte eher etwas Experimentelles mit wilden
Farbklecksen erwartet…). Janove nahm die Gebote entgegen. Tja, das gute
Stück ging dann auch tatsächlich für 8000 Kronen (umgerechnet
etwa 1000 Euro) über den fiktiven Ladentisch. Wer weiß, was es
mit der Zeit alles an Wert hinzugewinnen wird…
Als Zugabe gab es dann den ganz frischen Song "9 mm", den ich persönlich
nicht für besonders überragend halte. Er erinnert mich vom Rhythmus
her ein wenig an "You really got me now" von den Kinks. Meiner Meinung
nach ist er ein wenig monoton geraten, hat aber sicherlich das Potential zu
mehr. Naja, noch experimentieren Kaizers ja mit dem neuen Material, insofern
braucht man sich keine Sorgen zu machen. Ja, und so langsam neigte sich der
Abend auch dem Ende zu. "170" wurde gespielt und dann gab es eine
richtige Überraschung. Kaizers kamen mit Geoff Berner auf die Bühne
und führten gemeinsam Berners Song "Whiskey Rabbi" auf. Rune
und Øyvind gaben an ihren Instrumenten den Takt vor, und Janove, Helge,
Terje und Geir sangen die Backing Vocals zum Refrain. Und so endete ein wunderbarer
Abend mit Kaizers in Oslo.
Da dies nur ein Bericht zum Osloer Konzert werden soll, möchte ich gar nicht so viel zur Bergenser Show sagen, auch wenn diese meines Erachtens die bessere war. Die Zugfahrt war anstrengend, weil ich todmüde war. Im Zug verstreut saßen einige Kaizersfans mit dem gleichen Ziel (z.B. saß auf meiner Seite ein junger Mann, der völlig vertieft ins Kaizers Buch war). Die Zugstrecke Oslo-Bergen ist wunderschön, man fährt durch unheimlich viele Tunnel, den Berg hoch, an verschneiten Wäldern und Tälern und zugefrorenen Seen vorbei. Man sollte sich nur genug zu essen und zu lesen mitnehmen… In Bergen regnete es natürlich, aber zum Glück war die Teatergarasje nicht weit vom Hotel entfernt. An diesem Abend sollte es zwei Konzerte geben. Das erste, das bereits um 19 Uhr begann, war für die Fans gedacht, die unter 18 waren. Aufgrund des strengen Jugendschutzes dürfen Noch-nicht-Volljährige nämlich nicht an Konzerten teilnehmen, auf denen Alkohol ausgeschenkt wird. Deswegen war es eine sehr nette Geste von Kaizers, ein extra Kids-Konzert für die jungen Fans anzusetzen. Sie spielten 15 Songs, darunter alle neuen Nummern und obwohl es offensichtlich war, dass die Band ihre Energie für später aufheben wollte, war es ein cooles Konzert. Øyvinds Bild wurde am Ende auch nicht versteigert (ihr wisst schon, der Jugendschutz), sondern nach dem Ene-Mene-Mu-Prinzip an einen Fan verschenkt.
Das zweite Bergen Konzert war im Grunde noch besser als der Osloer Gig. Die Band sprühte vor Energie, und das Publikum ging voll ab. Zwischen den Bandmitgliedern stimmte die Chemie, man merkte, wie sie richtig Spaß an der Sache hatten. Øyvind ließ sich diesmal nach eigenen Angaben von seiner Krawatte inspirieren und sein avantgardistisches Gemälde wurde für 4000 Kronen versteigert. "Død Manns Tango" wurde an diesem Abend nicht gespielt, dafür gab es am Ende wieder ein Berner-Kaizers-Septett, was ein kleiner Trost für Berner war, da er zuvor mit "Kaizers"-Rufen übertönt worden war und nach drei Liedern schon von der Bühne gehen musste. So ein Mist aber auch... Ein aufregendes Wochenende war also jetzt vorbei, ich musste wohl oder übel meine Sachen packen und nach Hause fliegen. Aber zum Glück ist es ja noch nicht ganz vorbei, denn Kaizers Orchestras Grand Finale Tour hat gerade erst angefangen und ich werde dabei sein! Danke fürs Zuhören, Shirin
Hach ja die Holländer, ein nettes Völkchen und immer wieder wert, sie zu besuchen, vor allem wenn man dies in Verbindung mit einem Festival oder Konzert tut. Denn im Gegensatz zu den Deutschen geht man bei den Nachbarn alles etwas relaxter an und muss nicht schon zwei Stunden vor Konzert/Festivalbeginn anstehen, um einen guten Platz zu ergattern. Aber so sehr ich die Gelassenheit vor der Bühne schätze, genauso wenig mag ich sie, wenn es um die Organisation geht... Warum muss man sein Geld in Wertmarken eintauschen, um sich etwas zu Essen oder zu Trinken zu kaufen, und warum muss das Festivalgelände nach vier Stunden bereits aussehen wie ein Meer von Plastikbechern und anderen Müll? Da lobe ich mir doch die deutsche Praktikabilität und Ordnung.
Mit vier Bühnen war das Festival deutlich größer als erwartet, ohne dabei den Charakter eines gemütlichen kleinen Festivals zu verlieren und man denkt in Holland mit, denn alle Bühnen befanden sich in großen Zelten, so dass selbst Regen keinen gestört hätte, wenn es denn geregnet hätte. Vor Kaizers hatten wir das Vergnügen die wunderbaren Kashmir zu sehen, die wirklich einen tollen Aufritt hingelegt haben und nach der Frage ob wir noch einen Song hören möchten fix die Bühne geräumt haben, um dann noch einmal für eine Zugabe raus zu kommen (weil man das ja so macht) Danach haben die Stereo MC's das Zelt mit Leben gefüllt. Die Stunde, die Ihnen zur Verfügung stand, wurde voll ausgenutzt und das Publikum war begeistert, es wurde getanzt und die Stimmung war einfach klasse. Auch wir, die sonst kaum mit derartiger Musik zu tun haben, ließen uns anstecken und tanzten ausgelassen. Der langanhaltende Applaus nach verlassen der Bühne sprach für sich. Daher kann ich nur jedem empfehlen sich die Band live anzusehen!
Nun aber zum eigentlichen Teil der Berichterstattung; der Auftritt von Kaizers Orchestra. Leider muss ich sagen, dass dieses Konzert mein bisher schlechtestes Kaizerskonzert war, was ich mit den folgenden Zeilen versuchen will zu begründen. Angefangen hat es bereits beim Aufbau, der erstaunlich lange gedauert hat. Wenn man bedenkt das die Stereo MC's ihr Set um 21.35 Uhr beendet hatten und der kaizerliche Auftritt für 22.05 Uhr angesetzt war und dennoch nicht vor 22.25 Uhr begonnen wurde. Man merkte "Elvis" deutlich an, dass nicht alles so lief wie es laufen sollte. Ihm war die schlechte Laune förmlich ins Gesicht geschrieben. Sogar Runes Drumsticks blieben nicht verschont und wurden etwas unsanft "beiseite gelegt". Das Aufbauszenario wurde gekrönt durch einen vollen Bierbecher, der den mit der Pumporgel beschäftigten Tor nur knapp verfehlte, gefolgt von einem leeren Feuerzeug... Ich wage zu behaupten, dass diese Aktionen die Stimmung des "King" nicht gehoben haben. Ok, der Auftritt der Band hat sich etwas verzögert, aber müssen dann gleich solche Aktionen vom Publikum kommen?
Als dann endlich der Russian Dance zu hören war, gab sich das Publikum auch wieder recht fromm und gut gelaunt. Das Set begann mit KGB und deutlichen Tonproblemen, sprich es war kein klarer Sound zu hören, da man ständig ein Hintergrundrauschen zu vernehmen glaubte. An Hellraizers Gitarre musste auch des öfteren geschraubt werden, da diese wohl auch nicht so wollte wie sie sollte, sodass er selbst während der Vorstellung noch nachstimmen musste. Und wenn bei Bøn fra helvete Topfdeckel anstelle gewohnter Mülleimerdeckel zum Einsatz kommen, statt eines Brecheisens ein mir unbekanntes Objekt zum bearbeiten der Tonne verwendet wird, manch andere Schlaggegenstände riesige Ausmaße annahmen und die Felgen auch irgendwie anders aussahen (größer, wenn ich mich nicht irre), stellt sich dem aufmerksamen Fan die Frage: "Hat die Band die Hälfte es Equipments etwa in Norwegen vergessen?". Weiterhin fehlte Runes "rødt askebeger", die Nachttischlampe, der Stahlhelm und Helges Sitzeimer, der durch einen richtigen Hocker ersetzt wurde. Die Probleme mit dem Sound zogen sich durch den kompletten Auftritt und es schien sich immer mehr zu verschlimmern, so dass sich am Ende von Maestro Janoves Gesang kaum mehr vom blechernen Ton der Tonnen abheben konnte. Doch der Sound war wohl nicht das einzige Problem, denn nach Kontroll på kontinentet wurde es dunkel, zappenduster, dann gleich wieder hell, sprich grell. Zum Glück dauerte dies nur wenige Sekunden und dann funktionierte zumindest das Licht wieder. Auch bei der Bandvorstellung schien es kleinere Missverständnisse zu geben, denn als Mink an der Reihe war, konnte er ja gar nicht auf dem "rødt askebeger" spielen und Hellraizer und Killmaster standen etwas verloren an der Seite und sind schlussendlich nicht von einer Bühnenseite zur anderen marschiert. Ich könnte noch weitere Kleinigkeiten auflisten, die mir während des Konzerts aufgefallen sind, aber ich will ja nicht alles schlecht machen. Zumal sie wirklich versucht haben ein gutes Set zu spielen, nur war irgendwie der Wurm drin. Normalerweise kann man über kleine Pannen sicher hinwegsehen und dennoch einen durchschnittlich guten Auftritt hinlegen, wenn sich die kleinen Pannen allerdings häufen und nicht mehr als klein anzusehen sind, fällt es selbst routinierten Künstlern schwer sich die Anspannung nicht anmerken zu lassen. Bei Kaizers merkte man es vor allem daran, dass die Interaktion mit dem Publikum gegen Null ging, Kontroll på kontinentet als Ompa til du dør angekündigt wurde, Janove sich kaum vom Mikrofonständer wegbewegte, geschweige denn tanzte und es keine Zugabe gab.
Abschließend wage ich die Vermutung anzustellen, dass sie vielleicht
nicht genug Zeit für einen ordentlichen Soundcheck zur Verfügung
hatten. Denn der Bühnenaufbau dauerte verdächtig lang und auch Terje
und Geir sind noch vorne rumgeschlichen, um diverse Aufzeichnungen zu studieren
und im Fall von Terje noch die Gitarren nachzustimmen. So viele Probleme die
Qualität des Auftritts auch geschmälert haben ich hatte dennoch
meinen Spass. Letztendlich kommt es drauf an, was man selbst daraus macht! Marit
mareritt (norw.) = Albtraum
Hach wo soll ich hier bloß anfangen, ohne gleich euphorisch
in die Welt hinauszuschreien wie toll dieses Konzert war? Es war ja erst mein
viertes Konzert und hab daher leider noch nicht so viele Vergleichmöglichkeiten
wie manch andere aber ich kann behaupten, dass die Show was Besonderes war.
Für mich sowiso, aber das kommt später. Ich glaub ich werd mal ganz
von vorne anfangen und mich bemühen, die Ereignisse etwas zu ordnen,
was ich wahrscheinlich aber eh nicht zustande bringe, weil einfach zuviel
passiert ist.
Angereist bin ich schon am Vortag und hab mich bei Freunden einquartiert.
Nur noch einmal schlafen und dann kommen Kaizers!! Ich hab mich darauf gefreut
als wäre wirklich Weihnachten vorverlegt worden. Am Vormittag machten
wir (meine Freundin Jana, die übrigens all die tollen Bilder machte,
und ich) uns auf den Weg zur Gurtenseilbahn. Ich fand die Idee, dass das ganze
Festival auf dem Berner Hausberg stattfinden soll, einfach süß.
Oben angekommen war ich erst mal begeistert von der tollen Aussicht auf Bern,
man hatte einen Überblick über die ganze Stadt! Einfach zu schön.
Da wir relativ früh auf das Gelände konnten und noch Zeit hatten,
dachten wir uns, dass wir mal das Gelände erkunden. Hauptbühne war
schnell gefunden, stand nämlich direkt neben dem Haupteingang und - ganz
wichtig - Toiletten gleich nebenan. Und hurra, es waren keine Dixiklos, die
gab es dort gar nicht. Als ich die Zeltbühne betrachtete fragte ich mich,
warum Kaizers nicht dort spielen. Das Zelt war KLIMATISIERT! Und es war dunkel,
eigentlich perfekt für die geniale Lichtshow. Aber die wurde ja auch
gar nicht gebraucht. So nun aber endlich zu den Konzerten! Das Festival wurde
mit Breitbild eröffnet, eine Schweizer HipHop-Band die auch noch auf
schweizerdeutsch rappt. Ich hab sie gesehen und ich seh sie nie wieder. HipHop
ist einfach nicht mein Ding. Als sie dann nach einer Stunde endlich das Feld
räumten, bewegte ich mich in Richtung erste Reihe. Was auch problemlos
ging, denn jetzt war erst mal ne Stunde Pause. Wetter war übrigens sehr
schön und ich dachte hier eine Stunde zu warten wär nicht so schlimm.
Doch die Sonne war gnadenlos. Sonnenschein schön und gut aber wenn du
merkst, dass sie deinen Lichtschutzfaktor 60 (!!) beinhart ignoriert und du
spürst wie sie anfängt deine Hautstruktur zu verändern, ist
das nicht komisch. Aber dank kaltem Wasser und Kappe haben wir es überlebt.
SoundcheckGleichzeitig hatten wir eh genug zu betrachten, denn für Kaizers wurden
nun die Instrumente gebracht. Als sie die Drums brachten, fiel mir sofort
auf, dass die Farbe einfach nicht stimmt. Hässliche graue Drums inkl.
eines langweiligen grauen Aschenbecher. Doch etwas Gutes hatte es, denn so
kam Rune während des Soundchecks heraus und spielte an die 10-mal das
Intro von KGB. Wenig später kam auch Øyvind heraus, um ein bisschen
am Bass herumzuzupfen. Dann kam mir die Idee, dass das gar nicht ihre Instrumente
sind. Sie wurden nur ausgeliehen, denn am nächsten Tag spielten sie ja
wieder in Norwegen. Erfreulicherweise kam auch noch Terje dazu und zupfte
an seinen Gitarren herum. Als er uns zwei erblickte, musste er breit grinsen.
Ich kann mir vorstellen, dass es merkwürdig ausgesehen hat wie wir zwei
mutterseelenallein in der ersten Reihe japsend über der Absperrung hangen.
Tor testete noch alle Mikros und sang dabei norwegische Volkslieder. Süß.
Als sie dann wieder von der Bühne verschwanden, zog ich mir noch schnell
mein Skambankt-Shirt an und es konnte losgehen. Jetzt waren wir auch nicht
mehr alleine und es kamen erstaunlich viele Menschen. *trommelwirbel* jetzt
ging's loooos!
Es kam der "Russian Dance". Ich fing begeistert
zum Mitklatschen an wie ich es von den anderen Konzerten gewohnt war, doch
ich war da irgendwie alleine... als ich dann unbeirrt weiterklatschte konnte
ich dann sogar noch die ersten 5 Reihen zum Mitmachen bewegen. Schön.
Eigentlich erwartete ich nach dem Russian Dance ja KGB. Kam aber nicht, stattdessen
kam Ompa til du dor. Auch schön. Stimmung war gleich super, war echt
positiv überrascht, dass so viele die Texte konnten. Es war auch gar
nicht eng, man hatte super Platz zum tanzen, sofern man wollte. Wenn ich da
an das Gedränge in Passau denke es gab netterweise auch keine Crowdsurfer,
denn das war verboten! Dass es so was gibt wusste ich auch nicht. Mal keine
Stahlkappenschuhe im Genick, war das schön. Janove war gleich von dem
Publikum angetan und bedankte sich mal ganz höflich, dass sie zum ersten
Mal beim Gurten spielen dürfen.
Gurten ExtravaganzaIch glaube schon beim 2. Song oder so, sprang er von der Bühne und stellte sich genau vor mir auf die Absperrung (ich muss hier ja wohl nicht erwähnen, dass er da schon vollkommen durchgeschwitzt war?). Er ließ sich zwar von einem Fan stützen aber 2 Securities mussten ihn halt auch halten. Dann hat er scheinbar beschlossen "Wie ärgere ich am besten die Securities?" zu spielen. Zuerst fragte er die Securities ganz brav ob sie ihn eh sicher festhalten können. Als sie bejahten tat er so als würde er einnicken und ließ sich zurückfallen. Die zwei hatten alle Mühe ihn ja nicht fallen zu lassen, denn Janno hatte wohl wirklich vollstes Vertrauen in die zwei, denn er ließ sich wirklich fallen. Aber einmal ist keinmal und so wiederholte es noch ein paar Mal. Ich hab mich fast scheckig gelacht, ich frag mich nur was sich all die anderen dabei dachten, denn außer mir haben das nur noch drei andere Leute verstanden was er gefragt hat. Als er dann doch wieder mal auf die Bühne schaffte, bewunderte er erst einmal das schöne Wetter, denn als sie um 4 Uhr in der Früh in Norwegen losgefahren seien, war es kalt. Tja 5 Minuten später begann es wie aus Eimern zu schütten. Gut zu wissen, dass sie doch nicht alle ihre Seelen verkauft haben, um bei all ihren Auftritten schönes Wetter zu haben. Janove stand da und sagte mit einem leichten Seufzer: "Ha, singing in the rain...". Kurz darauf: "Hey I want to sing in the rain!!" Und er war wieder auf der Absperrung! Doch diesmal wollte er weiter und hüpfte ins Publikum und ging da mal etwas spazieren. Die Securities hatten mit ihm eine Menge Arbeit, denn natürlich musste ihm einer nachhechten! Herrlich. Irgendwann bemerkte auch Terje mein Skambankt-Shirt und schenkte mir ein echt süßes Lächlen *gg* Scheint ihn wirklich gefreut zu haben. In der Zwischenzeit wollte Janove wissen, wie viele Leute wohl hier wären. "How many people are there, put your both hands up! I want to count... ahh put one hand down, it's too much, ah lots of people!" *gg* DAS hätt ich dir auch sagen können. Als achtes Lied kam dann Kontroll und dreimal dürft ihr raten wo the Jackal stand, jaa genau wieder auf der Absperrung! Bei Runes Vorstellung musste ich mal wieder lachen anfangen, denn Janove redete bekannterweise von einem roten Aschenbecher... nur blöd, der Aschenbecher war grau. Einstudiert ist einstudiert oder er ist einfach farbenblind *gg*. Bei Øyvind erklärte er, dass Øyvind das erste Mal nicht auf seinem eigenen Bass spielt. (haben wir Prekestolen vergessen, Herr Ottesen?). Er fragte Øyvind wie sich der Schweizer Bass denn spiele. Die Antwort war: es geht so. Aber man hat es ihm angesehen: er hat ihn gehasst. *gg* Das wollte das Publikum natürlich nicht hören, also fragte Janove noch mal nach. Jetzt bekam der Bass gute Noten. Braver Mann *gg*. Als dann Geir dran war, stand Janove noch immer auf der Absperrung. Aber es kam ihn grad noch rechtzeitig in den Sinn, dass er bei Gegg ja auf der Bühne zu stehen hat. Also wieder rauf und mit einer graziösen Rolle rückwärts stand er wieder auf seinem Platz, ohne dabei aufhören zu reden, versteht sich.
GirlpowerNach Delikatessen wollte Janove, dass 4 Girls auf der Bühne
tanzen. Er kam runter, um sich welche auszusuchen (dass diese 4 etwas leicht
bekleidet waren, wundert wohl keinen?). Er drehte sich wieder um und ich setzte
zum Spaß meinen Dackelblick auf, doch er hatte sich wieder umgedreht
und hat's gesehen und fragte: "Oh you want too? Ok let's get eight girls
on the stage!" Tja, so kam ich auf Bühne *gg*. Oben verteilte er
dann Brecheisen und dergleichen, um damit ein bisschen auf den Tonnen zu schlagen.
Herrlich war es auch als er einem Mädchen erklärte sie soll ja auf
die Tonne schlagen und nicht Geirs Beine brechen während er oben stand.
Aber ich glaub Geir fühlte sich deswegen nicht besser *lol*. Sie begannen
Sigøynerblod zu spielen. Irgendwann befand Geir er sei jetzt lange
genug auf der Tonne gewesen, kam wieder runter und begann zu tanzen. Ich musste
mir auf die Lippe beißen um nicht lachen anzufangen. Wer den Auftritt
von Lowlands 2003 gesehen hat, weiß wovon ich rede *rofl*. Danach wollte
ein Mädchen Bak et Halleluja hören und ihr Wunsch wurde erfüllt.
Schön. Nach dem Song ging es wieder runter. Dann kam 170 in einer wunderschönen
langsamen Version. Danach sollte laut Setlist KGB kommen aber Janove fragte
uns, ob wir Resistansen hören wollten, und ja wir wollten! Also sang
er den ganzen Song im Publikum und ließ sich sogar von einem Fan auf
die Schultern nehmen und später ließ er sich von einem Security
durch die Gegend tragen. Als krönender Abschluss kam Maestro, in einer
7 minütigen Version. Das kam daher, dass Jano noch immer im Publikum
war und gegen Ende beschlossen hatte noch schnell Crowdsurfing zu betreiben.
Irgendwann verlor ich ihn aus den Augen und widmete meinen Blick wieder der
Band. Als das Lied eigentlich fertig war stand Terje mit dem Rücken zum
Publikum und beendete den Song. Doch Janove kam so schnell nicht wieder. Als
Terje sich umdrehte stutzte er, drehte sich wieder zu Rune um und der Song
ging weiter und Terje sang den Schluss noch mal. Toll! Tja als dann Janove
doch wieder kam war es auch schon zu Ende. Doch ich bekam noch von Nils die
Setlist und die Autogrammstunde war ja auch noch! Hach ja ein toller Auftritt
den ich so schnell nicht wieder vergesse.
Die Setlist: Ompa til du dør, Bøn fra Helvete, Hevnervals, Container, Senor
Flamingos Adieu, Blitzregn Baby, Mann mot Mann, Kontroll pa kontinentet, Di
Grind, Delikatessen, Sigøynerblod, Bak et Hallelujah, 170, Resistansen, Maestro. Jackie
Haldern lässt grüßen, kaum betritt die erste Band (Gem) die Bühne fängt es auch schon an zu regnen, die Sonne suchten wir vergebens in Den Haag aber der Auftritt der Kaizers ließ uns so manche Schirmattacke und durchnässte Klamotten vergessen. Das Festival selbst war sehr groß, reichlich Futtertempel, Klamottenstände, drei Bühnen und meiner Ansicht nach gut organisiert was sich allerdings nur auf das Festivalgelände selbst bezieht, denn in und um Den Haag hat man vergeblich nach Hinweisschildern gesucht. Störend war auch, das die Absperrung ca. 15 Meter (oder sogar mehr?) von der Bühne entfernt war und man kaum die Möglichkeit hatte gute Fotos zu machen. Wenn dann noch diverse VIPs ihre riesigen blauen Regenschirme so hoch gen Himmel strecken, dass die Halbe Bühne verdeckt zu sein scheint kann einen das schon etwas anstinken. Vor Kaizers spielte eine Band aus Frankreich (Babylon Circus), deren Auftritt sehr energiegeladen war. Man stelle sich 10 Franzosen vor, die eine Mischung aus Ska und Reggae spielen, dabei von einer Seite der Bühne auf die Andere tänzeln. Ausgestattet mit 4 Blasinstrumenten, einem Akkordeon, Keyboard, Gitarren, mind. einem Strohhut sowie weitgeschnittenen Hosen haben sie die Holländer prächtig unterhalten.
Der kaizerliche Auftritt begann nicht sonderlich spektakulär, Ompa til du dør gefolgt von den üblichen verdächtigen auf der Festival Setliste. Ich möchte sagen "unterhaltsam" (im Sinne von lustig/ außergewöhnlich) wurde es nach Bøn fra helvete. Denn Janove wurde von dem Rest der Band darauf aufmerksam gemacht, dass seine Hose am verlängerten Rücken gerissen ist. Aber wer jetzt denkt der Jackal räumt das Feld um sich umzuziehen, liegt falsch... ganz im Gegenteil: er kletterte auf Hellraizers Tonne und ließ sich von einem Kameramann direkt auf den Riss zoomen "zoom in!" HERRLICH! Ich habe selten so gelacht. Fies wie so eine gerissene Naht nun einmal ist, vergrößerte sich der Riss und die Hose schien am Ende nur noch von einem Reißverschluss und dem Hosenbund zusammengehalten zu werden. Janove lies es sich dennoch nicht nehmen die 15 Meter Graben bis zum Publikum zu überwinden um auf der Absperrung stehend und balancierend Kontroll på kontinentet zum besten zu geben (erstaunlich wie lang so ein orangefarbenes Kabel doch ist). Der Rückweg zur Bühne gestaltete sich etwas beschwerlich, was nicht ganz ohne Folgen blieb, denn die Zigarre die ein Fan ihm geschenkt hatte hat die Kletteraktion nicht überstanden. Etwas schade war, dass dadurch die Bandvorstellung etwas an Bedeutung verlor.
Ach ja, nicht zu vergessen es ist Fußball Weltmeisterschaft... und auch die geht nicht spurlos an der Band vorbei (auch wenn sie nicht ganz auf dem neuesten Stand waren). Janove wusste zumindest das England spielt... aber gegen wen war das noch gleich? Diese Frage sollte das Publikum beantworten (Equador), obwohl Geir es mehrfach gesagt hat aber das hat Janove wohl nicht vernommen und ließ uns dann kollektiv Equador rufen. Und sie unterstützen die Holländische Mannschaft, die dennoch nach dem Achtelfinale Heim fahren musste (hat nix genutzt). Und knapp wie die Zeit bei Festivals bemessen ist, wurden aus den versprochenen "three more songs" dann doch nur zwei (Sigøynerblod + Maestro) danach ging alles sehr schnell... auch zum Applaus einfangen und wieder raus lassen blieb Janove nicht viel Zeit. Alles in allem ein unvergesslicher Auftritt, mit der Erkenntnis Janove trägt blau weiß gestreifte Boxershorts (womit nun auch die letzte Frage im Kaizers Quiz beantwortet ist!). Marit