Aus der Presse - Konzertberichte

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Hier ist der Platz für Konzertberichte aus der Presse. Etwaige Fotos sind, wenn nicht anders angegeben, von uns eingefügt. Wenn ihr noch weitere lesenwerte Artikel habt, schickt sie bitte an infoATsave-me-kaizer.de. Wir freuen uns über jeden Tipp!


Konzertbericht auf dnn-online.de

Kaizers Orchestra im Alten Schlachthof in Dresden - 22.03.2006

Irgendjemand hat Vitalpulver auf dem Flohmarkt verstreut. Großväter in steifen Beerdigungs-Anzügen und mit alten Motorradhelmen steigen verjüngt aus verstaubten Gemälden, tanzen Polka zur E-Gitarre und klopfen dem Blues auf alten Ölfässern den Rost aus den Ohren - Kaizers Orchestra aus Norwegen. Ein Wunder eigentlich, dass Tom Waits, der alte Höllenhund, diese hupenden Landeier mit Gespür für die Poesie der Einheit von Leben und Tod im Banalen noch nicht als Band annektiert hat. Er bräuchte sie. Aber sie brauchen ihn nicht, denn sie haben den mit einer viel klareren Stimme gesegneten und mit Sicherheit sehr viel billigeren Micke from Sweden im Vorprogramm. Alles, was der mit nach Hause bringen muss, ist ein Paar neuer Schuhe für seine Frau. Spart deswegen gleich den Strom, zündet sich auf dem Piano Kerzen an, singt davon, wie man ihm einst ein anderes stahl und damit sein Leben zerstörte, dessen Rest er nun damit fristet, während seiner Auftritte Ratten zu schießen, die sich in München zum spärlichen Reisegepäck gesellt haben. Kurt Weill hätte seine Freude gehabt. Das Publikum ist ebenso amüsiert, da es noch nicht zu ahnen scheint, was es gleich auf die Ohren bekommt.
Die sechs Norweger haben den halben Flohmarkt von Bergen mitgeschleppt, und auch die Beleuchtung verursacht eine Atmosphäre wie auf dem sinkenden U-Boot seiner Majestät. Bunt ist für Wiesenkinder aus Schweden. Bei Kaizers Orchestra vermischen sich Öl, Schweiß und Spucke (unter Helges Gasmaske braut sich während der anderthalb Stunden sicher einiges zusammen) zur Ursuppe norwegischer Historie, gleichzeitig als Lebenssinnbild. Geschichten alter Tage und epochenautarke Poesie in Einklang mit Geschepper und Wortgedöns in einer verdunkelten Gegenwart, Rock'n'Roll für unrasierte Totengräber und Schulmädchen, die an einem Mittwochabend so spät noch raus dürfen, gleichermaßen. Gut fünfhundert davon an einem Veranstaltungsort namens Alter Schlachthof, ganz nach dem Geschmack der Kaizers.
Auch wenn sich die Menge von den Eröffnern des mittlerweile dritten Albums "Maestro", wie zum Beispiel "KGB", noch nicht so recht entzünden lassen will. Was vielleicht daran liegt, dass auf diesem Tonträger vor dem von der drögen deutschen Seele geliebten Pauken- und Trompeten-Spektakel der Entwurf eines Melancholie-Prospekts herunter gelassen wurde. Eher hübsch als spektakulär. Um dem Ruf, eine der besten Livebands überhaupt zu sein, gerecht zu werden, müssen Kaizers Orchestra schon die alte Pandorra-Kiste "Ompa til du dør" vom Dachboden holen und spätestens beim heftig schaukelnden "Kontroll pa kontinentet" werden alle fröhlich seekrank, man schlägt den Takt auf Blechfässern und Autofelgen, das Schlagzeug stampft wie ein abgerissener General mit einem Bauchladen voll klimpernder Orden um sich selbst, der Bass rülpst wie ein besonders traniger Walfisch und Frontmann Janove Ottesen beißt, da kein Gras vorhanden, in den Mikroständer. Zum Ausklang besonders berückend - einmal ohne großes Gekasper - das getragene "170", Sehnsucht versprühend wie sonst kein Ruf übers Meer an diesem Abend. Da lässt sich der Schöpfer, der dieses herrliche Chaos geschaffen hat, nicht lange bitten, und Ottesen zelebriert durchdringende Halleluja-Rufe, dass einem die Knochen klappern. Könnte man sich wieder antun. Gern auch mal in einem überfüllten Festival-Zelt bei dreißig Grad im Schatten. Tanz', bis du stirbst. Norbert Seidel

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Konzertbericht im students.ch

Kaizers Orchestra im Berner Bierhübeli - 19.03.2006

Der Abend im Bierhübeli (19.3.) war jede Minute wert. Sowohl Micke from Sweden als auch Kaizers Orchestra kultivierten den Wahnsinn bis zur Detailverliebtheit. Mag sein, dass Kaizers Orchestra hierzulande noch nicht den Ruf geniessen, der ihnen gebührt. In ihrer Heimat werden die Norweger auf alle Fälle längst als Helden gefeiert. Am Sonntagabend hingegen war im gut gefüllten Bierhübeli von diesem Manko nicht das Mindeste zu spüren. Schließlich hatten sich vorwiegend eingefleischte Fans hier eingefunden, um dem Wahnsinn zu fröhnen.
Der Support Micke from Sweden bot eine irrwitzige One-Man-Show mit einem Flair fürs Theatralische. Den Abend entfachte er, indem er die Bühne in Kerzenlicht tauchte. Paranoid jagte er zwei Mäuse und erlegte mit seinem Revolver am Ende gar eine. Damit war sein skurriles Repertoire allerdings noch lange nicht erschöpft. Im Gegenteil, er liess Schnee regnen und vollführte einen Stepptanz. Zudem widmete er einen Song den Wölfen und das Publikum heulte begeistert mit. Übrigens sang er teilweise auf deutsch. All dies tat Micke from Sweden auf eine so liebenswert zynische Art, dass der Funke sofort über sprang.
Kaizers Orchestra teilten Micke form Swedens dramaturgische Passion. Unheimliche Jahrmarktstimmung wurde erzeugt, bevor die sechs Herren in Anzug selbst die Bühne betraten. Dank der Extrovertiertheit der Band wurdest du Zeuge einer grandiosen Bühnenshow. Der Keyborder trug eine Gasmaske zur Schau, während andere Bandmitglieder routierend mit Brecheisen auf Ölfässer und blecherne Gegenstände eingeschlugen. Somit löste sich auch das Rätsel, wie Kaizers einzigarter Sound entstand. Die Begeisterung der Anwesenden beeindruckte Kaizers offensichtlich. Ihre inoffizielle Ankündungung, für den Festivalsommer und im Herbst nochmals zurückzukehren, brachte das Fass fast zum überlaufen - so viel Glück war kaum noch erträglich.
Kaizers boten eine über 90 minütige Show, die spektakulärer nicht hätte sein können. An Humor fehlte es ebenso wenig. Die Übersetzung des norwegischen Wortes Katastrofen in Katastrofe zu deutsch liess den Sänger zu der zynischen Bemerkung verleiten, dass intelligente Bands halt intelligente Fans bekämen - ganz logisch. Der Spuck endete mit dem Gipsy Finale und ließ entzückte Gesichter zurück. Die Nachwirkungen des dopenden Konzerts klangen selbst Tage später noch nach. Faszinierenderweise kannten gewisse Konzertbesucher sogar die norwegischen Lyrics auswendig.
Die Begeisterung für Kaizers kann jedoch auch seltsame Formen annehmen, wie die Heimfahrt bewies. Im Zug nach Zürich förderten moderne Reliquienjäger neben einem Schlagzeugstick ebenfalls eine Brechstange sowie die Playlist des Konzerts zu Tage, an der noch ein Haar zu kleben schien. Und das Ölfass schleppten sie nur nicht nach Hause, weil sie diese Trophäe bereits ihr Eigen nennen dürfen... Übrigens, bis zum nächsten Konzert kannst du dich mit dem Kaizers Live Album vertrösten, das im April auf den Markt kommen soll. Angela Brunner

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Konzertbericht im Wiesbadener Tageblatt

Kaizers Orchestra im Frankfurter Batschkapp- 16.03.2006

Den härtesten Job hat der Mann am Klavier. Wobei Klavier schon nicht ganz trifft. Kirmesorgel mit Verstärker-Unterstützung wäre wohl richtiger. Helge Risa, so heißt der Glatzkopf, hämmert an dem patinierten Stück gut 90 Minuten über die Tasten - vor sich eine Wohnzimmerlampe Marke Gelsenkirchener Barock, ein Stahlhelm, diverse Blechutensilien und zwei Unterarm-dicke Holzprügel, mit denen er, wenn der Rhythmus es will, immer mal auf ein altes Ölfass einprügelt.
Wäre alles noch nicht tragisch, trüge der Paul Kuhn der skandinavischen Independent-Szene nicht bis zum Ende des schweißtreibenden Live-Gigs eine putzig melancholisch wirkende Gasmaske, die aus NVA-Restbeständen stammen könnte. Der gruftige Kopfschmuck prangt auch, natürlich in Übergröße, als Markenzeichen hinter der flugs eingenebelten Bühne. Und hier zelebrieren sechs zunächst noch in Anzug und Krawatte schwerstarbeitende Jungs aus dem norwegischen Bergen, dass selbst der krudeste musikalische Stilmix - irgendetwas Undefinierbares zwischen "The Pogues", Tom Waits und Depeche Mode für Hartgesottene - zu einem schaurig-schönen Ganzen taugt.
Wir sind in der Batschkapp, wo die Stimmung schon nach den ersten Songs ins Brodeln gerät. Das Motto: Indie-Rock ist, was man daraus macht. Die Initiatoren: das "Kaizers Orchestra", die derzeit wohl angesagteste Underground-Combo aus dem hohen Norden. Janove Ottesen (Vocals), Geir Zahl (Gitarre), Terje Vinterstø (Gitarre, Mandoline), Rune Solheim (Drums), Jon Sjoen (Kontrabass) (Jon ist zwar seit zwei Jahren nicht dabei, aber was soll's, Anm. von Save-Me-Kaizer) und Gasmann Risa stürmen seit ihrem Debüt-Album "Ompa Til Du Dør" (2001), das in Deutschland erst mit zwei Jahren Verzögerung zu kriegen war, mit anarchischem Vorwärtsdrang alle verfügbaren Festivalbühnen, werden gefeiert, gehypt und allüberall gelobt. Obwohl, oder gerade weil ihre wilde Mischung in keine Kommode passen will: Rockige Polka, rostiger Blues und düster schmachtende Pop-Hymnen treffen sich irgendwo auf dem großen Indie-Terrain, in einer sehr dunklen, bisher unbekannten Seitenstraße. Zu verstehen gibt es bei diesem exotischen Grusel-Mix, der wohlklingende Titel wie "Knekker Deg Til Sist", "Evig pint", "Død Manns Tango" oder "Min kvite russer" (keiner von den genannten Songs wurde auf diesem Konzert gespielt, Anm. von Save-Me-Kaizer) listet, wenig (Amtssprache der Kaizers ist Norwegisch), zu erleben dafür umso mehr. Nicht nur, dass die Mannen mit dem schrulligen Humor auf Autofelgen oder Blechbüchsen herumscheppern und einen eigenen Elvis, naja, eher ein "Spät-Elvis"-Double als Assistenten beschäftigen. Nein, die Janoves und Co. liefern ein einziges, klug-schräg inszeniertes Spektakel, das nix für schwache Nerven ist, aber konsequent mitreißt.
Hier wird geschwitzt, gestampft, gerockt, gealbert bis sich die Balken biegen. Bis eine belgische (Plastik-)Ratte auf der Bühne erlegt werden muss. Die hat Micke aus Schweden, eine Art Cat-Stevens mit Hut und seines Zeichens der verschrobenste Support-Act ever, schon beim Warm-Up durch die Kulissen gejagt. Wenn er er nicht gerade von König Carl Gustav per Telefon unterbrochen wurde. Peter Müller

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Konzertbericht auf intro.de

Kaizers Orchestra im Kölner Stollwerck - 14.03.2006

Ahhh, die Parkplatzsuche will und will kein Ende nehmen. Und es wird immer später. Ich beginne zu fluchen und schwöre - mal wieder - nächstes Mal mit der Bahn zu fahren. Und plötzlich ist er da: Ein quasi-legaler Parkplatz in unmittelbarere Nähe vom Stollwerck. Am Einlass ein Zettel: "Sold out". Kein Wunder, dass es keine Parkplätze gibt...
Im Saal sorgt Micke from Sweden am E-Piano, das als altes Klavier getarnt ist, bereits für Stimmung. Mit den wilden schwarzen Haaren und dem ebenso schwarzen Bart ist Micke from Sweden optisch ungefähr so kurios wie die Musik von Kaizers Orchestra. Später wird Janove, der Sänger von Kaizers Orchestra, erzählen, sie hätten ihre Vor-One-Man-Band irgendwo ohne Kleider und total verwahrlost aufgesammelt.
Daher sollen wir doch bitte alle seine CD am Merchandising-Stand kaufen, damit sich der gute Micke doch auch endlich ordentliche Kleider kaufen kann und seine Mama auf ihn genauso stolz ist. Wie Janove Mutter auf ihn.
Das Licht geht aus, das Intro beginnt und die Herren Kaizer kommen auf die Bühne. Einer nach dem anderen. Stilvoll. Im Anzug. Das Publikum begrüßt sie jubelnd. Kaum hat die Musik die Ohren erreicht, tanzt auch schon der ganze Saal. Was für ein Anblick von der Empore! Dennoch hält es mich nicht lange dort: Zu mitreißend ist die Musik, zu gut die Stimmung beim tanzenden Volk. Ich will - nein, ich muss - auch tanzen. Mittendrin ist eben doch besser, als nur dabei. Zumal die Herren Kaizer ja ganz gerne mit dem Publikum interagieren. Auf der Empore bleibt man eher Zuschauer.
Sie spielen einen geschüttelten Mix aus alten und neuen Stücken, der jedoch teilweise die großen Hits und die schnelleren Lieder etwas vermissen lässt. Schade auch, dass das Trommeln auf Ölfässern, Felgen und anderen Metallgegenständen eher selten und dafür als große Show präsentiert wird. Gerade die Integration dieser Instrumente in die Lieder ist doch ein Charakteristikum von Kaizers Orchestra. Ihren eigenen Stil haben sie natürlich trotzdem - und der wird vom Publikum gefeiert.
Nachdem die Band die Bühne verlassen hat, kennt der Jubel keine Grenzen. Der Applaus wird belohnt, denn nun geht es eigentlich erst so richtig los. Die Zugabe wird eingeleitet von den drei Liedern, die die Namensvettern der Alben sind: Unter Sirenengeheul und dem Intro von "Evig Pint" steigert sich die Spannung und Begeisterung im Publikum ins Unermessliche. So wundert es nicht, dass beim anschließenden "Ompa til du dør" die Energie zum Tanzen eingesetzt und schließlich bei "Maestro" aus vollem Hals mitgesungen wird, wenn Sänger Janove dazu auffordert.
Weiter geht es mit all den großen Liedern, auf die wir alle gewartet haben. Die Stimmung wird noch besser und Janove beteuert mehrmals, dass dies vermutlich der beste Dienstag seines Lebens sei. Aber der Wahrheitsgehalt solcher Aussagen lässt sich nicht mal grob erahnen. Ein Teil einer großen Show. Ein Schauspiel. Zum Vergleich eine Anekdote von der ersten Deutschlandtour 2003: Auch im Prime Club in Köln ist die Stimmung am Brodeln. Janove steht am Rand der Bühne, schaut ins Publikum und gerührt, kaum hörbar, sagt er: "I never thought, this would work out of Norway." Große Show, aber kein Schauspiel. Nein, das ist keine früher-war-alles-besser-Leier. Denn noch letztes Jahr im Gebäude 9 machen Kaizers Orchestra spontan Späße - sehr natürlich und dadurch sympathisch. Damit will ich das Konzert im Stollwerck nicht schlecht machen. Kaizers Orchestra sind eine großartige Live-Band, die schon Shows auf einem derart hohen Niveau abgeliefert haben, dass dies nur schwer zu halten ist. Rebecca Wast

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Konzertbericht auf einslive.de

Kaizers Orchestra im Kölner Gebäude 9 - 1.10.2005

Abgefahrene Show! Neben den obligatorischen Instrumenten wie Gitarren und Schlagzeug prügeln Kaizers Orchestra auf Ölfässer oder scheppern auch mal große Blecheimerdeckel gegeneinander. Ihrem exzellenten Ruf als originelle Live-Band folgten daher auch rund 400 Fans ins Kölner Gebäude 9, das damit komplett ausverkauft war. Der karge Raum mit seinen beige verputzten Wänden und großen schwarzen Vorhängen verwandelte sich mit zunehmender Spieldauer in eine Sauna.

Mit Sakkos, bis oben zugeknöpften Hemden und Krawatte betraten die sechs Norweger gut gelaunt die Bühne, doch schon nach drei Songs streifte Sänger Jan Ove seine Jacke ab und offenbarte sein schon völlig schweißgetränktes Hemd. Frisch entkleidet, sprang er auch sofort von der Bühne und ließ sich eine Runde von seinen Fans tragen. Derweil räkelte sich Helge mit Gasmaske im Gesicht auf seinem "Hocker", der standesgemäß ein Blecheimer war, vor dem Piano.

Vega
Tränenreicher Abschied in Köln

"Ist es hier drin so heiß oder bin ich das?", scherzte Jan Ove, als er das Publikum fragte, ob er denn jetzt mit dem "Big Finale" anfangen könnte. Das leiteten Kaizers Orchestra mit "Bak et halleluja" ein, bei dem beide Gitarristen auf den Ölfässern am Bühnenrand standen. Als die Fans dann - auch nach Aussetzen der musikalischen Begleitung - noch keine Anstalten machten, den Mitsingpart zu beenden, kamen alle Bandmitglieder nach vorne, um sich dankend vor ihnen zu verneigen.

Anstelle von Zugabe-Rufen schmetterte der ganze Saal dann auch den ohrwurmigen Chorus weiter. Zu "Evig Pint" und der aktuellen Single "Maestro" zum Abschluss ließen sich die Jungs dann noch von Fans aus der ersten Reihe mit einem Handtuch Frischluft zufächern, bevor sie sich nach rund 80 Minuten endgültig verabschiedeten. Jens Becker

Der Artikel auf einslive.de

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Konzertbericht auf nordische-musik.de

im Rahmen von »Eine Nacht in Bochum« am 13.05.2005 – eine Aktion des Radiosenders Eins Live

[...] Der betuliche Perwoll-Pop und das anschließende Trash-Theater hatten aber auch ihr Gutes: Umso mehr stieg von Song zu Song die Vorfreude auf Kaizers Orchestra, die diesen unvorteilhaft zusammengewürfelten, unstimmigen Konzertabend beenden sollten. Endlich gab es nun kein Durchkommen zum Moshpit mehr, endlich entlud sich das "Ompa"-Bedürfnis in lautstarkem Jubel über jedes aufgestellte Ölfass.

Als dann Helge "Omen" Kaizer mit seiner Gasmaske durch die wabernden Nebel stapfte, war klar: Das Publikum steht ganz im Zeichen von Mr. Kaizer, dem ominösen Logo des Sextetts aus Bergen. Mit "Ompa Til Du Dør" wird dann ein schweißgebadetes Set eröffnet – so kraftvoll wie man es von der Band gewohnt ist. Herumstreunende Polka trifft auf kabarettistische Zigeunermarschmusik trifft auf wodkagetränkte Seemannslieder.

Und die Fässer und Radfelgen sind wieder und wieder die Leidtragenden, wenn die Kaizers ihr nicht überwundenes Trauma Topfschlagen von diversen Kindergeburtstagen exzessiv ausleben. Endlich ist die Begeisterung auch im Publikum spürbar – ungestüm wird wild herumgetanzt, mitgesungen und geklatscht.

Im Stechschritt, die Instrumente angewinkelt, starten die Gitaristen Geir und Terje synchron von einem Ende der Bühne zum anderen. Das Profil des Pianisten an der antiken Pfeifenorgel ist gespenstisch im Gegenlicht erstarrt. Hitchcock-like wabert das Trockeneis um die nimmermüden Füße, Gasmasken und Wehrmachtshelme. Aber es werden hier keine Militarismen gepredigt, sondern nur als düstere Staffage kontextualisiert.

Während dessen läuft der kaizersche Präzisionsmotor weiterhin auf Hochtouren und sorgt mit ganzen fünf zum zweiten Mal in Deutschland gespielten Songs aus dem kommenden Album "Maestro" für den besonderen Exklusivitätsfaktor: "Senior Flamingos Adjø" ist wohl der konventionellste und refrainlastigste aller neuen Songs, wobei "Blitzregn Baby", "På Ditt Skift", "Delikatessen" und besonders die kommende Single "Maestro" die Skurrilität bewahren. Wenn die mal keine Hit-Singles werden. Auf dem Mond oder so ...

Nach dem obligatorischen Gypsy-Finale als Zugabe hinterlässt die Band ein vollkommen euphorisch gekaizertes Publikum. Abschied von Gasmasken, verstörender Polka, zerbeulten Ölfässern und natürlich Mr. Kaizer, der uns noch immer noch mit überdimensionierten toten Bullaugen einer Gasmaske vom Drumkit entgegenlächelt. Markus Wiludda

Der Artikel auf nordische-musik.de

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Konzertbericht vom Prekestolen-Konzert am 12.2.2005 in Visions Nr. 146

Vega
Schneemänner

Ist das noch Rock’n’Roll? Wenn um kurz nach neun Uhr morgens der Wecker klingelt? Und man danach wie beim Schulausflug in losen Grüppchen zum Hafen dackelt, das Lunchpaket unterm Arm? Eine halbe Stunde Fähre, eine halbe Stunde Bus, dann geht es zu Fuß weiter. Am Anfang freut man sich noch über den weißen Schnee, die klare Luft, die meterlangen Eiszapfen. Doch nach zweistündiger Kletterwanderung durch immer unwegsameres Gelände sind die Seufzer groß, dass man am Ziel, dem Preikestolen, angekommen ist und sogar Heißgetränke erhältlich sind. Der Felsvorsprung ist eine der bekanntesten Natursehenswürdigkeiten Norwegens: Knapp 500 Meter unter uns glänzt der Fjord, oben reiben sich normalerweise Selbstmörder die Hände. Heute jedoch nicht. Heute spielen hier Kaizers Orchestra, diese unwahrscheinliche Mischung aus Tom Waits, nordischer Folklore, Pogues und rostigem Ölfass, einen exklusiven Gig. Für 85 geladene Gäste und zehn Wanderer, die sich zufällig hier oben rumtreiben. Stagediving bleibt aus – kein Wunder. Auf Absperrungen wurde nämlich verzichtet. Dafür schießt mitten im zweiten Song ein Helikopter hinter der Band die Felswand hoch – fast wie bei "Rambo 2". Die Band um Sänger Janove Ottesen trotzt den Gefrierpunktwerten und richtet sich in der ungewohnten Situation schnell ein: Sie spielen bekanntes und neues Material, mal gibt die urige Orgel den Weg vor, mal wird mit schmissigen Rockriffs hantiert. Eine gute halbe Stunde Spielzeit ist leider nicht viel, doch gelohnt hat sich der Ausflug allemal. Keine Frage: Das ist Rock’n’Roll. Und zwar nicht nur wegen des Kontrabasses, den Øyvind Thunder Kaizer abschließend zu Klump haut. Ingo Neumayer

Hier geht es zum Artikel.

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Konzertbericht aus dem Musikexpress Oktober 2003

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Konzertbericht auf faz.net:

Noch ein Humpen, bis du stirbst: "Kaizers Orchestra" im Frankfurter Mousonturm:

02. September 2003 In einer von der New Yorker Lafayette Street abzweigenden dunklen Seitenstraße befindet sich eine wahrlich skurrile Ladenkneipe namens "La danse macabre". Zwischen käuflich zu erwerbenden Totenkopf-Aschenbechern, handgefertigten Voodoo-Puppen, Anti-Geister-Bohnerwachs und der täuschend echten Plastikreplika des ganz und gar aus Knochen und Schädeln geformten grauenhaften Schlafzimmerschreins von Serienkiller Jeffrey Dahmer, werden auch allerlei obskur anmutende Getränke mit noch seltsameren Namen ausgeschenkt. So gibt es dort beispielsweise blutrot gefärbtes deutsches Bier, serviert in einem verblüffend authentisch wirkenden Totenschädel-humpen. Nach einem kräftigen Schluck wandert der bleischwere Krug zurück auf einen aus diversen schwarzen Särgen gestalteten Bar-Tresen.

Auch in rein musikalischer Hinsicht tummeln sich in dem muffig-düsteren Etablissement immer wieder die merkwürdigsten Bands und Interpreten; seit etwa zwei Jahren schon erlebt man dort immer wieder das schaurig-schöne Debütwerk "Ompa Til Du Dør" der norwegischen Formation "Kaizers Orchestra". In grellpinken und giftgrünen Lichtspots tummelt sich hinter dem Mikrofon wild gestikulierend Frontmann Jan Ove Ottesen. Wie seine Kollegen, namentlich Schlagzeuger Rune Solheim, Keyboarder Helge Risa, Steh-Bassist Jon Sjoen sowie die beiden Gitarristen Geir Zahl und Terje Vintersto, so ist auch das für Gesang zuständige, gelegentlich sich auch an Gitarre und Resonanzkörpern betätigende Aushängeschild des Ensembles in einen hautengen Anzug, Hemd und Krawatte im angesagten Second-Hand -Chic gekleidet.

Harmlos, wie glücklich verheiratete Schwiegersöhne sehen die sechs Gestalten nun aber doch auf der Bühne des Frankfurter Mousonturms aus, fast so wie es der obsolete Bandname "Kaizers Orchestra" zu suggerieren vermag, der doch eher geeignet scheint, distinguiertes Cafehaus-Flair zu verströmen.Doch die überschaubare Fanklientel weiß um das Geheimnis der Nordlichter: Die in ihrem Heimatland im vorigen Jahr nach mehr als 150000 verkauften Exemplaren von "Ompa Til Du Dør" mit Doppelplatin und dem Norway Alarm Award als beste Live-Formation gekürten Musiker beschwören ein derart pandämonisches Song-Panoptikum herauf, das selbst exzentrischen Stammzuschauern amerikanischer Kult-Fernsehserien wie "The Addams Family", "The Munsters" und "Six Feet Under" das Gruseln lehren dürfte.In erster Linie liegt das sogar nicht einmal an jenen morbiden, auf norwegisch gesungenen Textinhalten zwielichtiger Moritaten aus der Schattenwelt wie "Bøn Fra Helvete" (Gebet aus der Hölle), "Død Manns Tango" (Toten Mannes Tango), "Rullett" (Russisches Roulette) oder an der herrlich schwarzhumorigen Geisterbeschwörungshymne "Dr. Mowinckel", wo beim Spuken dummerweise das Monokel des Gespenstes durch den Nebel beschlägt, sondern vor allem am Instrumentarium.

Die sechs extravaganten Herren bedienen neben klassischer Rockensemble-Gerätschaft auch Kontrabaß, leere Ölfässer, Schlagstöcke, Blechplatten, Autofelgen, eine uralte Kirmesorgel und ein noch älteres, knarzendes Harmonium. Die an sich schon absurd anmutende Kombination erlaubt "Kaizers Orchestra" eine ungewohnte Stilvielfalt mit einem Hauch martialischen Nervenkitzels, wie ihn schon die "Einstürzenden Neubauten" vor knapp zwei Dekaden zu zelebrieren verstanden.Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, wenn der Schlachtruf "Ompa Til Du Dør" der eigenartigen Nachtschattengewächse zusammen mit dem waghalsigen Variete-Faible und Stummfilm-Slapstick-Gehabe eines Harold Lloyd ertönt: Das gewiß harmlose "Ompa" wurde dem "Humpta Humpta" bayerischer Festzeltlyrik entlehnt. Der Nachsatz "Til Du Dør" hingegen läßt dann allerdings doch das Blut in den Adern gefrieren: "bis du stirbst".

Beinahe tödlich könnte sie allerdings schon auf so manches zarte Gemüt wirken, diese eloquente Fusion aus Polka, Saufprahlereien, Seemannsliedergarn, Surfbeat, Rockabilly, Zigeunerjazz, Klezmer, Tom Waits, The Cramps, The Pogues, Punk und osteuropäischer Folklore, vorgetragen in einem verwegen-breiten norwegischen Dialekt mit - gelinde ausgedrückt - immens hohen Dezibelwerten. Als ein verführerisch-infernalisches Unterfangen entpuppt sich diese Produktion, die nicht nur in der hiesigen Musiklandschaft beispiellos sein dürfte. Inspiriert wurde diese wilde, von einem klaustrophobischen Logo eines barbarischen Gasmaskenträgers im Bühnenhintergrund gekrönte Schrammelmixtur ausgerechnet durch den ungarischen Klangschöngeist Goran Bregovich, dessen exzellenter Soundtrack zu Emir Kusturicas Film "Underground" einst ähnlich archaisch geriet. Euphorisiert und berauscht von den unorthodoxen Rhythmen und Notenfolgen dürstet es das Auditorium nach knapp eine Stunde währendem Konzertgastspiel immer noch nach mehr.

Zu drei weiteren Spuk-Oden aus der Gruft - "Sigøynerblod" (Zigeunerblut), "Bak Et Halleluja" (hinter dem Hallelujah) und "Resistansen" (Der Widerstand), läßt sich das Sextett ohne größere Anstrengungen überreden. Eine vierte Zugabenforderung verhallt trotz ausharrenden fünfminütigen Dauertrampelns im Nichts. "Kaizers Orchestra" bleiben in den langgewundenen Gängen des Mousonturms wie vom Erdboden verschluckt verschwunden, scheinen sich wie Geister in Luft aufgelöst zu haben. Irgendwie scheinen sie doch beängstigend gespenstisch, diese Norweger! Michael Köhler

Der Artikel auf faz.net

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Konzertankündigung aus Szene Wien

Russendisko im Königreich Norwegen: die nach Bergen verschlagene Kapelle des Mafiapaten Mr. Kaizer verschrammelt ihre während des letzten Osteuropaauftrages zusammengewürfelten musikalischen Eindrücke und legt sie über auf Ansichtskarten geworfene BrechtWeillsche Songskizzen.
Zum Größenvergleich: "Ompa til du dør" hielt sich ein Jahr in Norges Top 40, angekurbelt im Verkauf durch 150 auf Reichsgebiet absolvierter Konzerte allein 2002. Könne ähnliches einer österreichischen Band passieren, die allgemein chartsunübliche Klänge im Dialekt betextet? Schwer vorstellbar. Im übrigen bitte keine Scheu vor Textunverständnis an den Tag legen, denn diese ist ebenso unangebracht wie die Sprachwahl unwesentlich. Die Tonträger sind befrachtet mit verschiedensten Abhängigkeitsverhältnissen, Morddrohungen, inszenierten Begräbnissen, Versklavung und der Gewissenheit, seinem unweigerlich ungünstigen Schicksal nicht entrinnen zu können. Janove Ottesen und Geir Zahl verstehen es, das Detail zu inszenieren. Sie transportieren Todesernsthaftigkeit und Bedeutungsschwere zum Klange malträtierter Ölfässer und betrommelter Felgen in wie neben den Zeilen. Der beste Act des vorjährigen Roskildefestivals schickt sich an, den Kontinent zu erobern. Lasst uns ompa tanzen, bis wir sterben – verloren sind wir ohnehin. Bernadette Karner

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