Berichte von Kaizers Orchestras Touren 2004


Tischlein, deck dich!!

11.09.2004

Schon letztes Jahr bin ich an einem 11. September wegen Kaizers in ein Flugzeug gestiegen. Damals ging es nach Berlin, diesmal nach Oslo, um Kaizers Orchestra zum zweiten Mal in einem ausverkauften Rockefeller zu erleben. Das Vorspiel bei Truls war feucht und fröhlich, man gröhlte zum Schluss nochmal zusammen "Mr Kaizer" und torkelte zum Rockefeller, wo sich schon eine ordentliche Schlange gebildet hatte. Noch schnell ein paar Ziagretten rauchen, denn in Norwegen darf man seit Neustem in öffentlichen Gebäuden nicht qualmen. Grausam, aber wahr und vielleicht auch ganz gut so. Killmistress, Janin (ohne e) und Susi schafften es noch in die erste Reihe, ich musste mich mit der zweiten begnügen, was mir noch gehörigst leid tun sollte. Es gab ein furchtbares Gedränge vorne, ich wurde fast zerquetscht, es wurde auf meine zarten Füße getrampelt, meinen armen Armen wäre es auf der Streckbank besser ergangen und mein alter, krummer Rücken und seine Verlängerung wurden von allen Seiten 'begattet'. Soviel zur Fanmanie in Norwegen. Immerhin war es wohl nicht wie in Dänemark, wo, wie mir Killmistress berichtete, lauter blonde, zum Teil barbusige Walküren bei Kaizers regelrecht hysterische Anfälle kriegen. Ich glaube, das würde ich nicht überleben!
Nun gut, von meiner persönlichen Misere zurück zum Konzert. Nachdem die beiden nervigen Clown-DJs Kula und ich weiß nicht was von der Bühne gegangen waren, kamen die Goo Men aus Norwegen. Eine siebenköpfige Band, die es furchtbar witzig und originell fanden, auf einem Klositz zu spielen (hoho!). Sie spielten langweiligen, unoriginellen Rock'n'Roll, obwohl sie sich wirklich sehr sehr wild dazu bewegten und gingen zum Glück schnell wieder. Ich muss allerdings zugeben, dass ich als alte Metallerin mit solcher Musik nichts anfangen kann. Vielleicht sind die Goo Men ja die neue R'n'R Hoffnung am Musikhimmel und ich habe es verpasst.. Einer der Clown-DJs musste dann nochmal als Animator auftreten und Kaizers ansagen. Danke, der nächste bitte!
Nach dem obligatorischen "Russian Dance" kam Helge mit seiner Gasmaske auf die Bühne und fing an "Mr. Kaizer, Hans Constanze Og Meg" auf der Orgel zu spielen, und der ganze Saal sang lauthals dazu, während der kaizerliche Rest sich weder auf die Bühne bewegte noch mitsang (aus dem einen oder anderen albernen Grund möchten sie das Lied nicht mehr singen..). Schöööön! Und dann kamen auch schon die Konzertverweigerer auf die Bühne, einer nach dem anderen und es ging los mit "På Ditt Skift". Ein Blick auf die Setliste genügt, um zu sehen, dass Kaizers sich Mühe gaben, ihr Publikum zum Abschied etwas Besonderes zu präsentieren:


Mr. Kaizer, Hans Constanse & Meg
På Ditt Skift
Hevnervals
Container
Veterans Klage
Ompa til Du dør
Bøn Fra Helvete
Mann Mot Mann
Di Grind
Kontroll På Kontinentet
Medisin & Psykiatri
Evig Pint
Dr. Mowinckel
170

Zugabe:

Naade
Rullett
Dekk Bord
Sigøynerblod
Bak Et Halleluja
Resistansen

Zuzugabe:

Die Polizei

Sessick
It's only love!!!

Der melancholische Song "Naade", von Mr. Hellraizer höchst persönlich gesungen, ist soweit ich weiß, noch nie live gespielt worden und auch "Rullett" gehört zu den selten live gespielten Songs. Die größte Überraschung des Abends war aber wohl "Dekk Bord" ("Deck den Tisch")! Mr. Höllenbeschwörer kündigte es an als das erste und letzte Mal an, dass "Dekk Bord" im Rockefeller gespielt werden soll. Vielleicht ist es auch gut so, denn sie verhauten es völlig! Janove schien auf einem anderen Stern zu sein, während er Geirs Einsätze mit Background Gejaule vermasselte. Ich bin natürlich bereit, das alles als ungemein liebenswürdig anzusehen und bin trotzdem froh, diesen sonst doch so genialen Song mal live erlebt zu haben. Außerdem wurden wir liebenswürdigerweise darüber informiert, dass "170" vorerst nicht mehr gespielt werden soll, was mich persönlich nicht wirklich juckt, denn ich habe es noch nie gemocht. Zum Schluss belohnten Kaizers das hysterische Publikum mit "Die Polizei". "Herr Polizei, Herr Polizei..", ja, wir verzeihen ihnen den kleinen grammatikalischen Fehler. Der ganze Saal sang den Refrain so lange, bis auch der letzte Kaizer sich verabschiedete: Vorher konnte Janove allerdings nicht mehr gegen seine Tränen ankämpfen und brach völlig beeindruckt von der Liebe, die ihm entgegenschwappte, auf der Bühne zusammen.

Ja, so war es und nicht anders! Emotional und rührend. Und obwohl ich schon bessere und coolere Kaizers Shows gesehen habe, bin ich froh, dass ich dabei war. Ja, obwohl mein Körper geschunden und malträtiert wurde und ich mir beinahe eine Nierenquetschung geholt habe, es war es wert, Kaizers auf ihrem Abschiedskonzert zu sehen. Sie waren und bleiben immer meine Liveband Nummer Eins (das kann ich nur deswegen ruhigen Gewissens sagen, weil ich Nine Inch Nails noch nicht gesehen habe), und ich werde auch das nächste Mal wieder dabei sein, in den vorderen Reihen stehen und erstaunt und voller Bewunderung hochschauen zu diesen Göttern... stop, das geht jetzt zu weit :-) You got the point! Shirin

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Dutch too much

17.08.2004

Nein, es ist eigentlich nicht lustig, um zwei Uhr mittags in ein schwarzes Auto zu steigen und sich fast drei Stunden auf dem Weg nach Holland durchgrillen zu lassen. Aber wenn man weiß, dass man später für alle Strapazen entschädigt werden wird, dann nimmt man diese unsäglichen Qualen gerne auf sich. Anfang Juni habe ich es endlich geschafft, meine Freundin Carmen auf ein Kaizers Konzert zu schleifen ("bütte, ich habe doch Geburtstag!!") und seitdem ist auch sie mit dem Kaizers-Virus infiziert. Sagen wir es mal so, wer nicht nach dem ersten Kaizers-Konzert infiziert ist, ist entweder taub, blind oder gefühlskalt und hält höchst wahrscheinlich weiße Schokolade für richtige Schokolade. Pahh! Wie auch immer, Carmen und ich gelangten ohne größere Sonnenschäden nach Utrecht, fanden das Tivoli auch recht schnell und stellten fest, dass auch schon einige andere Leute aus Deutschland anwesend waren. Susi natürlich, Joyce aus Holland, Killmistress und einige andere bekannte Gesichter. Und das ist das Schöne an Kaizers-Konzerten. Man kennt sich mit der Zeit und teilt miteinander das Kaizers-Erlebnis. Und manchmal entwickeln sich aus den Bekanntschaften sogar Freundschaften.
Als die erste Band (tja, wie hießen die denn nun...?) die Bühne betrat, war das Tivoli schon gerammelt voll. Die beiden Goldlöckchen auf der Bühne zogen ein eher langweiliges Set durch, das uns noch ein wenig Zeit zum Plaudern ließ, bis endlich der heiß ersehnte, Glück verheißende "Russian Dance" erklang. Das ist immer die Stelle, wo ich eine Gänsehaut bekomme. Und dann ging es los mit "Ditt Skift", das sich mittlerweile zu einem brillianten Livestück entwickelt hat. Erst betritt Rune die Bühne und gibt die ersten Takte an, dann komt Oleg (habe allerdings erst später erkannt, dass nicht Helge, sondern sein Bruder an der Orgel saß), dann Øyvind, der Rune mit breiten, schweren Strichen unterstützt, bis dann endlich die beiden Gitarreros die Bühne entern - es donnert und blitzt, daraufhin erklingen die ersten sizilianisch anmutenden Klänge und dann Janoves anklagender Gesang. Herrrrrrlich! Viele mögen diesen Eindruck nicht mit mir teilen, aber ich muss bei der Anfangsmelodie von "Ditt Skift" immer an meinen Lieblingsfilm "Der Pate" denken (vor allem an den ersten Teil, in dem Al Pacino so toll aussieht...). Eine perfekte, für Epilektiker ungeeignete Lightshow, bei der die Band fast nur als scharf gestochene Silhouetten zu sehen war, hat den Gänsehaut-Effekt des Songs noch unterstrichen. Ab hier KONNTE es gar nicht mehr schlecht werden.

Weiter ging es mit "Hevnervals", "Container", "Veterans Klage", "Ompa Til Du Dør", "Bøn Fra Helvete", "Mann Mot Mann", "Di Grind", "Kontroll På Kontinentet", "Medisin Og Psykiatri", "Dr. Mowinckel" und "Evig Pint". Und weil das Publikum so sehr aus dem Häuschen war (bzw. DAS eben nicht war) gab es dann noch mal das Gypsy Finale oben drauf. Die Chemie zwischen Janove und dem Publikum stimmte von Anfang an, und es gab wieder eine "stabile Kommunikation". Der Schakal versprach, beim nächsten Konzert in Holland (also irgendwann nächstes Jahr) auch den letzten Knopf seines Hemdes aufzumachen, während Hellraizer mit einer Performance als persische Stripperin (Carmens Assoziation) mit einem Handtuch über dem Kopf seltsame Schlangentanzbewegungen vollführte. Dann wurde uns angedroht, dass Rune ja nächstes Jahr nicht mehr dabei sein wird, woraufhin dieser bei "Sigøynerblod" anfing, mit seinem Handtuch den Boden unter Janoves Füßen zu wischen, mit dem selben Handtuch allerdings wischte er dann noch den Schweiß von Janoves, Hellraizers und Øvinds Gesichtern... Ob sie ihn nach dieser Aktion noch behalten??

Ich knöpf euch mir vor
Heiße Versprechungen!!!

Eine humorvolle, trotz einer Panne bei "Medisin Og Psykiatri" (Killmaster hatte Mist gebaut und entschuldigte sich dann auch sofort dafür) perfekte Show, energiegeladen und mitreißend wie immer. Dopamin pur! Und die Grillpartie im Auto ward schnell vergessen. Übrigens, eine sehr interessante Art die Ölfässer loszuwerden: Das Tivoli versteigerte sie einfach an den Meistbietenden! Noch saufen gehen, dann musste Carmen wieder zurück nach Köln und Susi und ich suchten uns eine Raststätte, wo wir uns für ein Paar Stunden aufs Ohr hauten.

Pukkelpop

18.08.2004

Auf drei Stunden unruhigen Schlaf in Susis Wagen folgten eine ennervierende Suche nach einer Dusche, dann ein Aufschrei unter einer eiskalten Dusche, der Einkauf von mehreren Gläsern Cote D'or Schokocreme in einem belgischen Supermarkt, das Stehen im Stau bei Hasselt und ein endloses Gelotstwerden durch die riesige Parkplatzanlage des Festivals. "Pickel"pop trifft das Ganze übrigens ziemlich gut. Überwiegend junges Publikum hatte sich versammelt, um Papa Roach, Offspring und hast-du-nicht-gesehen zu hudligen. Wir waren da, um nur EINER Band zu huldigen. Wobei ich sagen muss, dass ich sehr beeindruckt von Keane war und sie allen Freunden von Coldplay und co ans Herz legen möchte. Im Marquee Zelt, das schon ordentlich groß war, trafen Susi und ich auch noch Dino und seine Freundin. Beeindruckend war auch die Tatsache, dass auffallend viele Leute mit Kaizers Orchestra T-Shirts herumliefen. Und auch hier waren einige deutsche Fans unterwegs.

Immer wenn Kaizers unter Zeitdruck stehen und das Fernsehen dabei ist, wird das Set schnell und ohne Unterbrechungen durchgezogen, als wäre Satan persönlich hinter ihnen her. Für verwöhnte Kaizers-Abhängige war es ein eher durchschnittliches (natürlich immer noch gutes) Konzert. Begonnen wurde mit "Ompa Til Du Dør" und als Zugabe servierten sie uns "Evig Pint". Dazwischen gab es einige technische Schwierigkeiten, die die Band aber wiedermal ohne mit der Wimper zu zucken überwand. Ich persönlich hatte das Gefühl, dass die Band aus irgendeinem Grund geladen war. Es fehlte dem gesamten Konzert ein wenig an Leichtigkeit, vielmehr herrschte ein aggressiver Unterton. Aber ich denke, dass das nur mit meinem geübten Auge zu sehen war, für das restliche Publikum war es einfach ein geniales Konzert. Mein Tipp für das nächste Mal: Kaizers in einem Club sehen.

Slash before my eyes..

Leider spielten Dillinger Escape Plan und Mike Patton (auf-die-Knie-fall) erst Freitag bzw. Samstag, also blieben uns nur Bands wie Ash, Papa Roach und Velvet Revolver. Letztere haben mich leider gar nicht überzeugt. Erstens: die ganze GnR Besatzung OHNE Axel-oh-Axel ist nicht zu gebrauchen, da kann Slash mit fünf Kippen im Maul spielen und dabei Kopfstand machen. Zweitens: Scott Weiland (Ex-Stone Temple Pilots Sänger) sah aus wie eine billige, abgewrackte Rob Halford Kopie, dessen Stimmbänder nicht mehr tun, was sie mal taten: singen!
Noch ein bisschen Ash (boooooooooring!) und dann verließen wir Flandern, in Gedanken schon in Oslo auf dem letzten Kaizers-Konzert für ein Jahr...*manreichemirriechsalzbitte*

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Die fantastischen Vier

15.04-18.04.2004

Vier Konzerte an vier aufeinander folgenden Tagen, da könnte einer meinen, am Ende hätte man keine Lust mehr. Aber die Schweinebacken von Kaizers lassen es einfach nicht zu. Wer schon kaizersüchtig ist, kann davon ein Lied singen, nicht wahr? Da es schon einige schöne Berichte zu diversen Konzerten dieser Tour gibt, möchte ich mich auf eine kurze Zusammenfassung der Gigs in Köln, Hannover, Tongeren und Antwerpen beschränken (auch als Verständnishilfe für manche Fotos).

Chili con Kaizers (15.04.2004)

Das Konzert in Köln sollte laut Ankündigung der Herren Kaizer einfach nur explosiv werden. Keine Milchmädchenrechnung, denn das Kölner Publikum hatte schon zweimal bewiesen, das es Chili im Hintern hat. Angewärmt wurden die Fans wieder von Pål Jackman, der nach diesem Konzert endgültig alle seine CDs loswurde. Der Mann mit den Holzpantoffeln und der manipulierten Klampfe ist einfach göttlich, right? Los Señores de Kaizer hatten nicht zuviel versprochen, sie spielten einen Knaller nach dem anderen. Janove bahnte sich seinen Weg durchs Publikum auf die Bühne, verzichtete überwiegend auf Ansagen und Pausen, dafür hing er meistens an einem Bändel, das von der Decke hing, direkt über dem Publikum. Was für Aussichten, denn der Herrliche knöpfte sich irgendwann das Hemd auf (zum Glück wurden keine der anwesenden Damen ohnmächtig), und die Brust mit dem Kaizers Tattoo wurde gegen Ende des Konzertes dann auch ganz entblößt. Caramba! Als Zugaben gab es das Gitano Final natürlich, "Dr. Mowinckel" UND sogar "Die Polizei".
Nach der Show versammelte man sich im Stereo Wonderland, dem megastylischen Laden auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo Mister Jackman noch einmal auf einer improvisierten Bühne spielte. Ihm zu Hilfe kamen dann auch Janove und Øyvind, die die Anfangsmelodie vom "Erlkönig" pfiffen (siehe Bilder) und der Rest von Kaizers und Crew schrie und feuerte den Freund an. Ein perfekter Abend!

Unser deutsches Dschungelbuch (16.04.2004)

Auf der Visions Party in Hannover spielte erstmal "Urlaub in Polen", eine beeindruckende Band, wie ich finde (nein, nicht nur, weil der Drummer geil aussieht...). Das Duo macht Elektro Rock vom Feinsten, Interessierte können ja selber mal reinhören. Ich habe mir die CD gekauft und habe es nicht bereut. Aber zurück zur Realität: Die Pfeifeinlagen in der Nacht zuvor hatten Øyvind anscheinend so gut gefallen, dass er seinen Ex-Boss wiederholt moralisch und musikalisch unterstützte. Wer sich übrigens gewundert hat, wer der mysteriöse Mann hinter den Drums war, es war Steffen, Merchandise Mann für alles und begnadeter Drummer. Hut ab!
Die Visions Party war ein voller Erfolg für Kaizers. Sie hatten das Publikum, das Kaizers Orchestra größtenteils nicht kannte (Janove fragte natürlich nach, wer alles CDs von ihnen besaß), binnen kurzer Zeit in der Hand. Zwischenzeitlich klebte Janove an der Säule vor der Bühne oder spazierte inmitten der tanzenden Meute umher. Am meisten amüsierte er sich darüber, als wir Rune "Schneller Minken" zuriefen, damit er "Sigøynerblod" gefälligst schneller spielt. Er hätte gerne eine Aufnahme davon gehabt. Auf diesem letzten Deutschland-Konzert zeigten die Krauts auf jeden Fall wieder, wie begeisterungsfähig und locker sie sind und machten damit allen Vorurteilen den Gauraus. Gut gemacht, Freunde!

Schlaff in Belgien (17.04.2004)

Ganz anders als die Hannoveraner gebärdete sich das Publikum, das Kaizers im belgischen Tongeren im Rahmen des Viva Velinx Festival erwartete: nämlich gar nicht. Dino aus Belgien, ein großer Kaizerfan, hatte dafür gesorgt, dass die Band dort spielte und wurde von seinen Mit-Tongerern im Stich gelassen. Pfui! Anscheinend wusste dort aber auch keiner, was ihn erwartete. Wie Ölgötzen standen sie da und schauten auf die Bühne. Man konnte dann auch nicht wirklich sagen, ob sie verzaubert waren oder einfach nur schliefen. Vielleicht hatten sie vergessen zu frühstücken. Nur ein paar wenige Leute machten vorne Stimmung. Janove drückte dann auch einem vor der Bühne tanzenden Pärchen seine Rasseln in die Hände und gab sein Bestes. Killmaster stieg sogar zum Publikum hinunter, wahrscheinlich um zu überprüfen, ob die Leute beim Antippen umfallen würden. Meine Herren, was für ein lahmes Pack!! Man könnte meinen, man wäre auf einem Gothic Konzert à la Lacrimosa...aber Schwamm darüber. Das nächste Mal machen die das hoffentlich besser. Im Übrigen möchte ich mich an dieser Stelle bei Garonce, Susis Freundin, bedanken, bei der wir in Liège übernachten durften. Was für ein schönes Haus!! Merci beaucoup!

Die können auch anders! (18.04.2004)

Am Sonntag hatten wir anfangs große Angst, dass die Belgier wieder einen auf Depri machten. Aber diesmal handelte es sich ja um ein Kaizers Konzert, also konnte man davon ausgehen, dass die Leute extra wegen ihnen gekommen waren. Waren sie auch! Zeigten sie auch! Dino, der extra angereist war, sah auch viel zufriedener aus. Er hatte die Band zuvor mit Duvel Bier versorgt, denn Kaizers hatten schon mal eine Bemerkung fallen lassen, dass sie dieses Bier unheimlich gut fänden. Ich war während des Konzertes wieder bei Nils und Johan, die zuständigen Beamten für Licht und Klang, und versuchte mit meiner ollen Kamera ein paar nette Bilder zu machen. Das bedeutet leider auch, dass ich nicht vorne stand, als Kill und Hell, die lustigen Gitarreros, durch das Publikum liefen und für bombige Stimmung sorgten. Würdiger Abschied von Belgien, mein letztes Konzert für hoffentlich nicht zu lange. Und jetzt genug gesabbert, husch husch, ab in die Heia :-) Shirin

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Wien 19.04.2004

Konzertbericht auf Musikmagazin.at


Anfangs -obwohl es schwer fällt - kurz zum Support (Anm. der AEH: weg damit! :-)
Danach: Ein Mann, eine Gitarre und seine Holzpantoffel. Pål Jackman der werte Name. Ebenfalls aus Norwegen, genau wie die KAIZER und Stand Alone Musiker mit komödiantischem Talent. Singend, spielend, stampfend. Spätestens bei seiner Interpretation des "Erlkönigs" war klar: ein Ausnahmetalent! Nicht verwunderlich also, von seinen sonstigen Aktivitäten zu hören. So spielt er nicht nur in einer Band namens "Wunderkammer", sondern führte bereits bei bei mehreren (Kurz-)Filmen Regie. Zwei Beispiele: "Detector" (Norwegen 2000) und "Benny" (sein erster Film). Beim Konzert durfte zwischendurch auch der Cellist von KAIZERS ORCHESTRA ans Mikro, der ihn sangestechnisch unterstützte. Kurz: Pantoffel statt Drums - einfach toll!
Endlich: Die KAIZER themselves betraten die Bühne in Anzug und Krawatte und eröffneten den Reigen mit "På Ditt Skift". Ein jubelndes Publikum begrüßte die Norweger und wurde sogleich mit "Ompa til du dør" auf den weiteren Abend eingestimmt. Das gleichnamige Album verkaufte sich in Norwegen übrigens besser als warme Semmeln und wurde im September 2003 auch international veröffentlicht. Bisherige Österreich-Auftritte absolvierten die Kaizer beispielsweise im Sommer 2003 in Wiesen, im September schon ein Mal in der Szene Wien, sowie im Dezember in Salzburg und Graz.
Den Abend in Worte zu fassen fällt schwer, wenn es nicht gar unmöglich ist. So belasse ich es hiermit bei einer stichwortartigen Schilderung der Ereignisse: Norwegische Texte, Gitarren, Piano, Schweiß, Cello, Schläge auf Ölfässer und Stahlfelgen mittels Brecheisen und Holzknüppel, noch mehr Schweiß, Gasmaske, Sirenen, nackte Haut, noch viel mehr Schweiß und ein bunt gemischtes Publikum aus Österreichern, vielen Norwegern, einigen Schweden, Finnen und Dänen. Schwitzend. Brüllend. HALLELUJA!
Am Schluss das Versprechen, im Sommer wiederzukommen, sowie eine zweimalige Rückkehr auf die Bühne um brav Zugaben zu spielen. Ganz die alte Schule. Als Souvenir noch schnell ein Ölfass eingepackt und dann ab nach Hause um dem Tinitus eine Pause zu gönnen... SAVE ME KAIZER! Jürgen

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Cologne 15.04.2004

Konzertbericht auf Besonic.com


The sextet from Norway rocked the crowd at the famous Prime Club in Cologne. Last Friday was the third time in nine months that Kaizers Orchestra played in front of a frenetic German audience at the Prime Club in Cologne, Germany. Picture this: a band from Norway presents songs in Norwegian to a German audience, that sings along to most of their choruses. The crowd celebrated the Kaizers like an old friend, who returned to bring them one and a half hours of pure bliss. It already is one of my favorite gigs ever! The night started off well with the highly innovative Pål Jackman, founder and frontman of Norwegian fellow band Wunderkammer, who inaugurated the evening with a fine solo performance, just him, a damped acoustic guitar and the stomping of his clogs. Pål pulled it right off shaking his hair to a mix of traditional rockabilly style R&B, coupled with his die-away vocals over a 60s reverb effect. His romantic love songs could only be topped by a highlight rock interpretation of Goethe's "Der Erlenkönig", which he presented in the clearest (sing-along-to) German. Couldn't have been anyone better to prepare the crowd for what came next.
When the guys of Kaizers Orchestra paraded onto stage, they were welcomed by a heated crowd that was up for anything (but mainstream). They came along looking like a unit of highly creative individualists, and the concert would only confirm that. All but the drummer were dressed in black suits, white shirts and ties. The confident, charming singer and frontman Janove Sjakalen Kaizer, guitarist Terje Killmaster Kaizer, blue-and white striped drummer and percussionist Rune Mink Kaizer, the dead serious bold-headed multi-instrumentalist Helge Omen Kaizer, who turned up in a gas mask, curly bassman Øyvind Thunder Storesund and the extroverted guitarist/vocalist Geir Hellraiser Kaizer delivered one of those rare, spectacular live shows to remember. Kaizer's Orchestra played an intoxicating, rhythmic mix of slightly melancholic Pop/Rock, combined with Eastern European Polka Punk and Klezmer. The slightly anarchic atmosphere immediately got all hands up for the witty and intimate preachings of frontman and singer Janove, who seemed to be diving towards the crowds for most of the gig, whilst holding onto a strap with one hand, which was hanging from the ceiling. He was conducting the crowd and had everyone melt in his hands. He would make us repeat anything from "Hallelujas" to "Hoos and Aahs" and kept us involved.
The band kicked off the gig with their latest hit "Evig Pint", which is also the title of their current album (2003), introducing a tight and entertaining one and a half hour set. They played songs from their two albums "Ompa til du dor" (2001), "Evig Pint" (2003), but also tried out a couple of new songs, which went down well. The most entertaining parts of the concert included Janove, Geir and Terje experiment with a number of unusual instruments, incl. an old manual siren. They made a lot of noise by taking turns picking up axe handles and hammering onto empty oil barrels or old wheel rims and created kick ass grooves, like on Dr. Mowinckel, which featured Geir Hellraizer on the mic during one of their "Encores". Keyman Helge Omen Kaizer, who played the part of the silent, scary freak drew all kinds of organ, harmonica and old piano sounds from his keyboards, whilst hardly moving anything else but his fingers. At one point drummer Rune Mink Kaizer refuses to continue on his drums and starts hammering onto the barrels instead, until the rest of the band calms and refers him back to his seat. The crowd is cheering at the spontaneous stage performances of the Kaizers'. The Kaizers are such a well-rehearsed orchestra, who performed as a perfect band and drama unit, it put a big grin on my face just to watch them play. After long periods of ovation, screaming and two resulting sets of "Encores", the band retreated for good, leaving a totally cheerful and happy crowd.

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Potsdam 13.04.2004

Konzertbericht aus der Märkischen Allgemeinen


Manchmal trifft einen schlagartig die Erkenntnis etwas verpasst zu haben. Wenn man zum Beispiel das Waschhaus betritt, um der guten Empfehlung eines Freundes nachzukommen und eine Band sehen möchte, von der man noch nie etwas gehört hat. Doch dann ist der Saal noch vor dem ersten Ton gefüllt - Kaizers Orchestra spielen in Potsdam. Mit einer Hymne betritt das majestätische Sextett die Bühne. Am Ende des Konzerts werden alle im Publikum als überzeugte Monarchisten der neuen musikalischen Obrigkeit hörig sein, ihr mit den Worten "Kaizer, Kaizer" huldigen. Doch vor der Bekehrung wurde mit der norwegischen Band die Krönungszeremonie gefeiert. Kaizers Orchestra ist neuer Exportschlager des Fjordstaates, hat mit dem Debüt "Ompa til du dor" (Ompa bis du stirbst) das meistverkaufte Album des Landes geschaffen und ist mit dem Nachfolger "Evig Pint" (Ewig gepeinigt) gerade auf Europa-Tour. Die Sechs-Mann-Kapelle aus Bergen singt norwegisch und reizt damit zum Skandinavistik-Studium. Morbide Titel wie "Dødmanns Tango" oder "Sigøynerblod" verlocken zu linguistischen Ratespielchen. Mit dem musikalischen Erbe ihrer Heimat weiß die Band umzugehen - Polka und Black-Metal gelten als erfolgreichste Musikstile aus dem Norden. So lassen die Kaizer Rockmusik hören, mal depressiv und düster, dann wieder mit einer Humpa-Melodie vom Klavier in mitreißendere Takte verpackt. Die Norweger und gerade Frontmann Janove Ottensen spielen mit Klischees der beiden Stilrichtungen (Anm. der AEH: Blackmetal ist leider eine ganz andere Geschichte, und Kaizers haben wenn, dann nur etwas doomiges -- aber das muss man nun wirklich nicht wissen), ohne dabei Ernst zu verlieren oder diesen zu strapazieren. Also keine lustigen Hüte und Akkordeonspieler und auch keine schweren Ledermäntel oder Haare bis zur Sohle. Stattdessen Hemd und Krawatte. Outfit und Stil erinnern dadurch noch am ehesten an Bands wie "The Hives". Als Besonderheit dürfen auch die Instrumente gelten. Felgen, Fässer und Feuerwehrsirenen ergänzen das Standardinstrumentarium und werden von Zeit zu Zeit mit Brecheisen und der düsteren Mentalität bearbeitet, die schon so viele Musiker oberhalb des Polarkreises gepackt hat. Dass Pianist Helge Risa wiederholt mit Gasmaske oder Stahlhelm aufspielt, hat mit den Inhalten der Songs zu tun. Krieg ist ein permanentes Thema. Andere Songs spielen im Mafia-Milieu. Beinahe durchgängig erzählen sie kurzfilmartige Geschichten mit vielfältigen Charakteren der norwegischen Gesellschaft. In depressiven Zeiten entstehen solche Texte, gibt Janove auf der Bühne zu. Wenig später geht ihm auf, dass an diesem Dienstagabend "Evig Pint" in Deutschland veröffentlicht wird. Kurzerhand erklärt er das Konzert im Waschhaus zur Release-Party, was nur eines bedeuten kann: Rockanråll. Peter Degener

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München 12.04.2004

Konzertbericht von Susi S.

Das München-Konzert war letztes Mal so toll, da mußten wir natürlich wieder hin dieses Mal. Und überhaupt! Das Atomic Cafe war nicht sonderlich schwer zu finden, wir wußten ja auch noch ungefähr, wo wir hin mußten: immer Richtung Hofbräuhaus, und dann dahin, wo der Bus steht und die Einbahnstraße komplett versperrt... *lol* Dieses Problem wurde dann aber zum Glück relativ schnell gelöst, sonst hätte es wohl ein riesiges Chaos gegeben. Den Nachmittag verbrachten wir dann damit, im englischen Garten Surfern zuzugucken (ja! echt!) und schonmal Kräfte fürs Konzert zu sammeln. Das ging dann auch gewohnt unpünktlich los.
Trotz Ostermontag war das Atomic Cafe voll, die Stimmung war gut, und nachdem Pål Jackman das Konzert eröffnet und für seinen Erlkönig ordentlich Applaus geerntet hatte, kamen die Kaizers mitten durch's Publikum zur Bühne. Killmaster hatte wohl irgendwo unterwegs seine Schuhe verloren, der Jackal schüttete beim Bühne-Besteigen seinen Rotwein schön gleichmäßig halb auf meinen Arm und halb auf sein Hemd... *hüstel* (Hey, woher hätte ich denn wissen sollen, daß der hinter mir stand?) Die Bühne war - ganz im Gegensatz zu z.B. Amsterdam - gerade mal dreißig Zentimeter hoch, was an diesem Abend dazu führte, daß es etwas mehr Publikumsinteraktion gab als sonst. In welchem anderen Club braucht es auch gerade mal zwei Stufen von der Bühne runter, um mitten im Publikum zu stehen? Wie in Holland fingen die sechs mit dem neuen Lied "På ditt skift" an, diesmal klappte es deutlich flüssiger. Und es ist toll! Man denkt zwar mittendrin, es wäre zu Ende und das nächste Lied würde anfangen, aber dann greifen sie die Melodie von vorher wieder auf. Die Setlist war dieselbe wie beim Nijmegen-Konzert, nach "På ditt skift" folgten "Ompa til du dør" und "Bøn fra helvete", bevor der Jackal das Publikum begrüßte. Als nächstes spielten sie "Hevnervals", dann "Container", "Veterans klage" und "Evig Pint". Mittendrin mußte der Jackal sich natürlich noch vergewissern, ob wir die Kaizers auch wirklich lieben. Man würde ja immer auf der Bühne stehen und fürchten, oh je, die hassen uns, wir sind so weit angereist dafür, ich vermisse meine Mama... aber, mögt ihr Kaizers Orchestra? LIEBT ihr Kaizers Orchestra? Aber natürlich! Aber danach sollten wir dann Janoves Mama ganz schnell wieder vergessen und uns um unsere Bewegungen kümmern, denn danach folgte "Mann Mot Mann", und da mußten wir natürlich tanzen...
Im Solo-Teil kam es dann zum ersten großen Ausflug ins Publikum (nachdem irgendwann vorher schon ein Mikroständer auf meinen Füßen landete, aua! *gg*). Der Jackal schnappte sich Hellraizer und marschierte während des Gitarrensolos mit ihm auf den Schultern mitten ins Getümmel. Cool! "Mann Mot Mann" endete dann irgendwie in "Billie Jean", keine Ahnung, wie das passieren konnte... =;-) Und weil die Münchner scheinbar gerne tanzen (Jackal: "You owe me 50 bucks, Hellraizer!", was der dann nicht so gerne hörte... *g*), kam danach dann noch "another danceable song", nämlich "Di Grind". Der Jackal konnte sich nicht so ganz entscheiden, warum die Stimmung so gut war: weil es Montag war? Oder weil es München war? Auf jeden Fall wären wir ein gutes Publikum: Wir wüßten, wann wir singen sollen, wann wir klatschen sollen, und wann wir gefälligst ruhig zu sein haben. "Good audience. So, what's your name? Pascale?" *lol* "Kontroll På Kontinentet" enthielt dann wie immer die traditionelle Bandvorstellung. Außer daß Hellraizer sich natürlich falschrum hinstellen mußte, dabei hatte ich doch ausnahmsweise mal meine Kamera schußbereit... *grummel* =;-) Dafür turnte der Jackal während dem Lied noch ein bißchen im Publikum rum und veranstaltete ein heilloses Chaos mit seinem Mikrokabel... *gg*
Es folgte das zweite neue Stück, "Medisin Og Psikiatri". Danach kündigte the Jackal ein Lied aus der Zeit der "Depression" an, Hellraizer korrigierte ihn, daß es doch aus den "dunklen Jahren" wäre, und zwar, ja, genau, aus 2003. Letztes Jahr also. Ein Lied vom "neuen" Album also, das Album wäre ja so depressiv, so "dark", so traurig, so melancholisch... Turbonegro ist nichts dagegen! Drei Abende vorher wäre bei dem Lied ein Mann gestorben, und das solle nicht noch einmal passieren. Wer also Probleme mit dem Herzen hätte, sollte bitte zwei Schritte zurücktreten (was Hellraizer dann natürlich sofort tat *g*). Und dann kam natürlich "De Involverte". Danach wurden auf der Bühne die Plätze getauscht, Hellraizer übernahm den Platz in der Mitte am Mikro, der Jackal schnappte sich die Brechstange und Killmaster die Rasseln und übrigen Schlagwerkzeuge. Nachdem der Jackal dargelegt hatte, daß er James Hetfield von Metallica beneidet, nur weil der vor 10000 Menschen auf der Bühne stehen kann und dabei "oh yeah" singen kann, mußte Thunder noch eine kleine Metallica-Gesangseinlage von sich geben, die sogar richtig gut klang. Die Folge war, daß "Dr. Mowinckel" mit einem Metallica-Gitarrenriff endete. Kommentar Jackal: "Wenn man 15 Minuten lang Metallica sein kann, was macht man dann? Man singt 'oh yeah' vor 10000 Menschen und spielt dieses Riff!". Natürlich durften wir regelmäßig "yeah" und "hell yeah" brüllen, allerdings diesmal ganz kurz und abgehackt, "that sounds like a Kaizers audience!". Nach "Dr. Mowinckel" wurde dann Hellraizers Radio-Show bei Radio Eins beworben, "Hellraizer solves your problems! Call 00112233, every Monday 5 to 6, never on Sundays, no problem is too big!" *rofl* Janoves Einleitung zu "Katastrofen" wurde dann so bejubelt, daß der Jackal eigentlich schon aufhören wollte (besser kann's eh nicht werden, oder wie? *lol*), aber natürlich spielten sie es dann doch noch. Im nächsten Lied ging es um... ein wunderschönes Mädchen. Sie liegt am Strand. Sie geht ins Wasser, baden... und es ist furchtbar kalt. Denn das ist schließlich Norwegen! Dann stellt sie fest, daß sie schwanger ist. Am Abend vorher hat ihr Freund sie verlassen, um in den Krieg zu ziehen. Er verließ sie, zog in den Krieg, sie kämpften, sie verloren, er starb... sad story. Aehem. *rofl* "170" kam dann natürlich. Danach war dann erstmal Ende, und wie immer kam danach nicht nur das Finale, sondern das Gypsy Finale. Natürlich wieder mit einem Ausflug von Janove ins Publikum, der dort dann auf Säulen, Lautsprechern und Tischen rumkletterte und seine Jünger um sich scherte. Hell yeah! Die sind sooo toll, genial und beeindruckend! Nach dem Konzert entdeckte Helge Kaizer dann noch seine Liebe für Musik auf der Tanzfläche =:-o, bevor die Kaizers sich auf nach Potsdam machten. Für uns ging's dann erstmal in kalte Auto und am nächsten Tag zu irgendwelchen komischen Deutschpoppern nach Nürnberg, die dann aber auch gar nicht so übel waren... *g* Susi S.

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Amsterdam und Nijmegen 03/04.04.2004

Milchstraßenmädchen

Als Susi_S. und ich am Samstag ins Auto stiegen, um nach Amsterdam zu fahren, hätten wir nie gedacht, dass uns so denkwürdige Konzerte bevorstehen würden. In Amsterdam trafen wir erstmal Joyce, Niels und Martijn aus Groningen. Sie alle arbeiten für das "Vera", ein Club, in dem Kaizers schon zwei Mal aufgetreten sind. Zusammen machten wir uns auf den Weg ins "Melkweg" (bei diesem Namen muss ich übrigens immer an Kühe denken...). Großer Saal, proppenvoll, was will man mehr. Leider verpassten wir Pål Jackman an diesem Abend, aber dafür konnten wir uns zum x-ten Mal Stuurbaard Bakkebaard anschauen, die allerdings an diesem Abend sehr gut drauf waren. Ein Blick auf die Setliste der Kaizers ließ uns alle tief durchatmen: sie spielen tatsächlich das neue "Medisin og Psykiatri" und insgesamt 18 Songs. Jawohl!
Das Konzert in Amsterdam war wunderschön, denn die Band war wahnsinnig gut drauf und infizierte das Publikum sofort mit ihrer guten Laune. Janove, frisch rasiert und charismatisch wie eh und je, dirigierte das Publikum in bester Jackal-Manier. Auch unser geliebter Hellraizer war am Mikro einfach nur göttlich. Für "Dr. Mowinckel" tauschten er und Janove die Plätze, und während Janove und Terje wie wild ihre Tonnen, Tönnchen, Kuhglocken, und was sonst noch da war, bearbeiteten, verhexte Geir das Publikum mit seiner außergewöhnlichen Stimme. Das Publikum gefiel den Kaizers so gut, dass sie sich mit Liebesbezeugungen nicht zurückhalten konnten. "You look even better than the last time!" und "We love you so much, we want to invite you all over to the tourbus!". Genau dort soll es nämlich ein ungeheur schönes mit Leopardenfell bezogenes Sofa geben. Naja, ich hoffe für die Band, dass das Publikum der Einladung in den Tourbus nicht gefolgt ist, denn das hätte furchtbar eng werden können.

Märchenhafte Show im Doornroosje

Unglaublich aber wahr: Kaizers konnten in Nijmegen tatsächlich ihr Konzert in Amsterdam toppen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich mich wieder dazu überwand, sie mir von weiter hinten anzuschauen, um Fotos zu machen. Wie schon in Tilburg musste ich feststellen, dass Kaizers auf der Bühne ein perfektes Bild abgeben, etwas, was man nicht merkt, wenn man immer vorne an der Bühne klebt :-). Sie spielen und bewegen sich in perfekter Harmonie und geben ein traumhaftes Gesamtbild ab. Naja, Karsten, der in Nijmegen zu uns stieß, und Susi S. hielten vorne die Stellung. Diesmal sahen wir auch endlich den mysteriösen Mr Jackman und seine Gitarre. Eine absolut sehenswerte Einmannshow hat der Wunderkammer-Sänger da geliefert. Grandios natürlich seine ziemlich schräge Präsentation von Goethes "Erlkönig".
Kaizers eröffneten dieses Konzert unerwarteterweise mit einem ganz neuen Stück namens "På Ditt Sjift", das wie "Medisin og Psykiatri" auf dem 2005 erscheinenden Album zu hören sein wird. Das war natürlich eine Herausforderung für Band und Publikum, denn es war für beide eine Premiere. Und so hatte der Song auch etwas von einer Probe, man merkte, dass es noch nicht livefest war, aber wie auch immer: es hörte sich verdammt vielversprechend an. Was mir davon noch im Ohr hängengeblieben ist, ist ein lauter und schneller Gypsyrock Song mit einem sehr langen, balladenartigen Schluss. Es wird auf jeden Fall spannend sein, der Entwicklung dieses Songs auf der Bühne zu folgen.


Setlist to Heaven

Nach dieser Überraschung nahmen uns Kaizers dann aber hart dran: Schlag auf Schlag folgte nun ein Kracher nach dem anderen (siehe Setliste), so dass wir danach alle schweißgebadet, aber randvoll mit Endorphinen waren. Eine kurze Verschnaufpause bei "Evig Pint" und dann wieder weiter mit "Mann Mot Mann": "I want to see you shake your dutch asses!" Die Band und das Publikum waren auch dieses Mal ein Team. Janove bedankte sich dann auch beim Publikum dafür, dass es so zahlreich erschienen war, an einem Sonntag, wo doch bestimmt ein spannender Arnold Schwarzenegger Film im holländischen Fernsehen lief. Beim Gypsy Finale versuchte er sich dann auch noch als Zauberkünstler, aber trotz Trommelwirbel und absoluter Stille löste sich der Knoten im Kabel nicht in Luft auf, sondern wurde nur noch fester. Das höfliche Publikum klatschte trotzdem ermutigend Beifall.
Ich muss hier auch noch eine Lanze für den Lichtmann Nils brechen, dem ich über die Schulter gucken durfte, und der immer eine klasse Lightshow bietet. Dank ihm erstrahlte die Band mal in rot, mal in grün, blau, violett oder gelb. Außerdem merkte man, dass er mit dieser Band einfach schon ewig unterwegs ist, denn er konnte selbst in improvisierten Situationen lichtshowtechnisch die Band unterstützen. Coole Sache auf jeden Fall!
Killmaster spielte seine Solos übrigens wie ein junger Gott, und Hellraizer massierte abwechselnd Janove und seine Gitarre und tanzte munter auf der Bühne herum. Helge schien sich so wohl zu fühlen, dass er nach einer Tonnenorgie von Hellraizer mit sanfter Gewalt dazu überredet werden musste, wieder zu seiner Orgel zurückzukehren. Rune war natürlich wieder alles zu langsam, und er zwang die Band dazu, "Sigøyner Blod" schneller zu spielen. "Faster!"
Das war also mein 20. Konzert, und so wahr ich hier am Computer sitze und diesen Bericht eintippe, so war das wirklich das beste Konzert meines Lebens. Ich hoffe natürlich, dass noch ganz viele Konzerte folgen werden, aber so wie ich die Kaizers kenne, wird das kein Problem sein. Shirin

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Fire in Oslo

Friday I'm in Love - 27.02.2004

Es ist schön, wieder in Oslo zu sein; in der Stadt, in der ich zehn Monate meines Lebens verbracht habe. Eine Zeit, an die ich sehr gerne zurückdenke. In Norwegen sind die Menschen nicht nur viel entspannter und lockerer, sie sind auch in vielerlei Hinsicht geselliger. Das Bild der wortkargen und unterkühlten Skandinavier ist im Grunde nur ein Klischee. Zugegeben, manchmal braucht es das eine oder andere Bier, aber auch hier in Deutschland gibt es ja Menschen, die etwas Starthilfe brauchen...
Apropos Starthilfe, und damit dann auch direkt in media res: auch die AEH gönnte sich einen kleinen Schluck, bevor es richtig losging. Den ganzen Tag stand Shopping auf dem Plan (immerhin wurde der kleine Tiger vor dem Bahnhof besucht -- Oslo wird übrigens auch die Tigerstadt gennant), und bald sollte endlich das passieren, wofür wir wirklich gekommen waren. Um 20 Uhr stehen wir dann auch vor dem Rockefeller, sind aber noch lange nicht die ersten in der Schlange. Um 21 Uhr werden erst die Pforten zum Glück geöffnet. Na, "Gott" sei Dank haben wir im Duty Free Shop eingekauft, und so wird eine Flasche mit einem Wodka-Cola Gemisch herumgereicht. "Det var Vodka, kalinka...": Die Fans in der Schlange singen ein Kaizers Lied nach dem anderen, die Stimmung ist super und die Schlange wird immer länger, sie reicht schon bis zum Ende der Querstraße (!) bis pünktlich um 21 Uhr dann auch der Einlass beginnt.
Das Rockefeller ist eine recht große Halle, die eine Besucherzahl von 1200 aufnehmen kann. Außerdem hat die Halle eine Galerie, von der aus man einen großartigen Überblick auf die Bands haben kann. Wir sind allerdings dafür, uns unters Volk zu mischen und so drapieren wir uns um das Mischpult herum. Truls und Henning, die ich schon letztes Mal in Oslo kennengelernt hatte, sind auch schon da, und noch einige andere Fans, die im norwegischen Forum herumgeistern. Langsam wird es eng in der ausverkauften Halle und die Spannung steigt bis ins Unerträgliche. Da hilft nur Bier! Das kostet allerdings 51 Norwegische Kronen für 0,4 l (ungefähr 6,50 Euro), aber wir sind halt in Norwegen...

10:15 Friday Night

Ok, sie spielen erst um 22:30 los, aber soviel Cure muss sein...

Es geht los mit der allseits bekannten Intromusik, vor lauter Nebel sieht man kaum etwas, vor allem wir, die soweit hinten stehen, müssen unsere Augen ganz schön anstrengen. Und da kommen die Herren auch schon. Was werden sie wohl spielen? Wir kennen "Evig Pint" oder "Ompa Til Du Dør" als Opener, aber was ist das? Das wird doch wohl nicht...? Nicht Janove steht am Mikro, sondern "Hellraizer" Geir, und die Musik klingt verdammt nochmal nach "Rullett"! Und Geir hatte geschworen, dass er niemals mehr live singen wird. Für die AEH geht ein Traum in Erfüllung, als Geir verträumt den etwas makabren Text von "Rullett" zum Besten gibt. Jawohl, es ist sein Lied, und die Menge singt jedes einzelne Wort mit. Ich kann mich nicht daran erinnern, ob Janove da schon auf der Bühne war, ich meine er hätte links gestanden (im Nachhinein ist so vieles weg). Auf jeden Fall gibt es zu "Død Manns Tango" einen fliegenden Wechsel am Mikro.
Janove begrüßt das Publikum und kündigt an, dass dies ein ganz besonderes Konzert werden wird. Das Publikum solle nur schön aufpassen. Na, wenn das so einfach wäre. Alles geht viel zu schnell, und Karsten und ich sind die meiste Zeit damit beschäftigt, weiter nach vorne zu kommen. Es geht weiter mit "Evig Pint", "Ompa Til Du Dør", "Bøn Fra Helvete", "Hevnervals", "Container" und "Veterans Klage", alles Nummern, die man in Deutschland schon live gesehen hat, und die Kaizers, die heute in brillianter Form sind, in gnadenloser Perfektion darbieten. Und dann kommen wieder Premieren für uns: "Min Kvite Russer", nur vom Klavier begleitet, Geir sitzt Bier trinkend auf der Bühnenkante, was die anderen gemacht haben, weiß ich nicht mehr. Danach kommt "Bris", wieder eines dieser melancholischen Songs, in denen Kaizers die Geschichte eines Soldaten verarbeiten. Meine Erinnerungen werden hier überschattet vom nächsten grandiosen Song, mein persönlicher Favorit, "Dr. Mowinckel".
Siebzehn Konzerte lang umsonst gehofft und gewartet, und jetzt dies. Auf der CD ist dieses Stück schon gut, aber live ist es einfach nur der Hammer. Es wuchtet Dich aus den Schuhen, weil hier die industrielle Note einfach 1000 Mal besser rüberkommt als auf dem Album. Vor allem Killmaster liefert eine heiße Show ab, und Geir fühlt sich sichtlich wohl am Mikro. Die Menschen in der Menge sind genauso entzückt wie wir, denn auch in Norwegen wurde "Dr. Mowinckel" lange nicht gespielt. Ähnlich ist es mit "Salt & Pepper"; als die Menge "fem for salt og fem for pepper" mitschreit, hört man kaum noch, was auf der Bühne vor sich geht. Ich meine, einige Leute hätten sogar kleine Tütchen mit Salz und Pfeffer auf die Bühne geworfen. Auf jeden Fall flog auch zuweilen ein roter BH, meinen geschulten Augen nach zu beurteilen Cup Größe D, auf die Bühne. Geir musste leider enttäuscht feststellen, dass ihm das schöne Stück nicht passt. Shit happens...
Weiter geht es mit "Mann Mot Mann", "Di Grind", "Kontroll På Kontinentet" inklusive der saucoolen Präsentation der Bandmitglieder, "De Involverte" und "Katastrofen". Wieviel wollen sie denn noch spielen?? Sie sind schon beim siebzehnten Song und weit und breit kein Gypsy Finale in Sicht. Es wird ein denkwürdiger Abend werden, genau wie sie es angekündigt hatten. Zwischendurch wird auch ein weiblicher Fan auf die Bühne geholt, der dann die erste Strophe (hmm, war es "De Involverte"?) mitsingen darf. Naja, ist ja nett, aber nervig. Wir wollen doch Kaizers sehen! Denkwürdig ist auch die nächste Premiere für uns Deutsche, nämlich der schaurig-schöne Mafia Song "Fra Sjåfør Til Passasjer". Rune "Mink" kommt nach vorne und gibt diesen herrlich schwermütigen Takt an, indem er wie besessen mit einer Autofelge immer wieder auf die Tonne drischt. Was für ein bizarres Schauspiel! Live ist dieser Song ein wahrer Augenschmaus und im wahrsten Sinne des Wortes ein Knaller.


Hot, hot, hot

Aber noch sind Kaizers nicht fertig. Erst müssen wir noch der Konstanze und dem Herrn Kaizer ihr Lied singen und dazu schunkeln -- Karsten und ich sind auch mittlerweile in der zehnten Reihe angelangt, wo die Fans aus vollem Hals mitsingen. Wenn wir gewusst hätten, was uns noch erwartet, hätten wir alle lieber unsere Kräfte gesammelt und gut zugehört, denn dann kam etwas, was viele sich erhofft, aber nicht gedacht hätten. Kaizers spielten tatsächlich einen neuen Song! Tja, wenn ich nur wüsste, wie "Medisin Og Psykiatri" sich angehört hat, auf jeden Fall nicht wie "Bad Medicin" (hohohaha..). Natürlich merkte man Kaizers an, dass sie das Lied zum ersten Mal vor einem Publikum spielen, daher war die Vorstellung sicher nicht einwandfrei. Der Song ist eindeutig in die Ecke der Gypsy Lieder zu stellen, mit einer guten Portion osteuropäischem Schwung, aber ich habe es leider nicht mehr im Ohr. Ich weiß nur noch, dass es mich ein wenig an "Katastrofen" erinnert hat. Man kann nur hoffen, dass sie es öfter spielen werden, um uns die Zeit bis zum Veröffentlichungsdatum nächstes Jahr zu versüßen.
Die nächsten fünf Nummern waren uns wiederum von anderen Konzerten bekannt. "170", dann das Gypsy Finale und zum guten Schluss NOCH ein Geschenk für die norwegischen Fans, nämlich "Die Polizei". Insgesamt hatten Kaizers 135 Minuten und 25 Songs gespielt, und jede einzelne Minute hatte sich gelohnt. Yeah, we came a long way for this, Mr Kaizer, und wir wurden nicht enttäuscht. Es ging doch alles viel zu schnell, und ich hatte in der ersten Hälfte leider keine gute Sicht auf die Bühne, aber der Eindruck, einem großartigen Konzert beigewohnt zu haben (doofes Wort!), ist geblieben. Ich hoffe nur, dass Geir die Lust am Singen wiederentdeckt hat, und auch demnächst hier in Deutschland mowinckeln wird. Ach ja, im Grunde hätten sie ja auhc noch das Telegramm an Viktoria verschicken könne, aber man kann ja nicht alles haben..

Girls don't cry

Nein, Mädchen weinen nicht. Das Konzert war zwar vorbei, aber es gab noch keinen Grund, Tränen zu vergießen. Wir waren alle noch ziemlich verwirrt auf Grund dieses zutiefst erschütternden, höchst emotionalen Konzerterlebnisses, und mussten unsere Gedanken erst noch ordnen. Also ging es ab auf die Aftershow Party, wo das Bier immerhin um die Hälfte billiger war, und wir die Möglichkeit hatten, uns ein wenig mit der Band, der Crew und ein paar anderen norwegischen Fans zu unterhalten. Was soll man noch sagen, die Bilder sprechen für sich. Der Alkohol floss wie warme Milch mit Honig unsere Rachen hinunter und schwuppsdiwupp (oder so) war es auch schon halb vier und wir mussten die Location wechseln. Um der alten norwegische Tradition des "Nachspiels" zu huldigen, schleppten wir uns noch mit den übrig gebliebenen norwegischen Hardcore Fans auf unser Hotelzimmer, wo bis 8 Uhr morgens fleißig weitergetrunken wurde. Die Welt wurde hell um uns herum, unsere Köpfe fingen an zu schmerzen, und ein neuer Tag begann -- naja, für mich nicht so, ich hatte noch ein Date mit der Kloschüssel... Geheult habe ich trotzdem nicht, denn ich weiß, dass ich die Kaizerrocker bald wiedersehen werde!

FAZIT: Kaizers sind die beste Band der Welt, und zuviel Alkohol ist nicht gut! Shirin

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We came to rock you!

Die kleine Holland-Tour 29.1.2004-1.2.2004

Die Bekloppten von AEH und ihre Freunde haben mal wieder ihre Koffer ins Kaizermobil gepackt und sich auf die Reise begeben. Drei Kaizers Konzerte in den Niederlanden und eins davon in Antwerpen standen auf dem Programm. Ganz oben auf der Liste Groningen, wo Kaizers ihr erstes Festland-Konzert gegeben haben. Mit vollbeladenem Kaizermobil und frohen Mutes machte man sich also auf den Weg.

Konzert in Vera, Groningen (NL)


Who's Your Daddy?
Foto: Mark Scheffer, Vera, Groningen

Mit bzw. für Kaizers unterwegs zu sein bedeutet viel warten, in billigen Absteigen übernachten, sich Wadenkrämpfe in dem viel zu engen Auto holen, und das Allerschlimmste: sich von etwas komisch gearteten Fans massakrieren zu lassen. So geschehen in Groningen. Da wir pünktlich da waren, konnten wir uns ohne Probleme in die erste Reihe stellen, aber mit der Gefahr von hinten hatten wir nicht gerechnet. Zwei ambitionierte, wuchtige Damen aus Norwegen mit tiefen Ausschnitten und eindeutigen Absichten schoben uns bereits beim zweiten Lied, ohne Rücksicht auf Verluste, von unseren Plätzen weg, nur um Janoves Knien näher sein zu können. Ja, die Attraktion, die ein Knie eines Stars auf junge Mädchen ausüben kann, wird mir immer unerklärlich bleiben. Aber kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Berichtes, nämlich den Herren Kaizers, die ihren ersten Gig in diesem Jahr mit "Evig Pint" eröffneten, das Lied zum gleichnamigen Album, das auch hier zu Landen bald käuflich sein wird. Unserer Meinung nach eine schlechte Wahl, da das Stück recht düster und doomig daherkommt (was für eine wunderschöne Alliteration..hehe) und das Publikum, das eher auf Party aus ist, erstmal ein wenig irritiert, zumal "Evig Pint" bis jetzt nur ein Mal, nämlich in Rotterdam, gespielt wurde. Nun gut, da sich aber die Band langsam aber sicher wieder in heiterere und verspieltere Gefielde begab, entdeckte das Publikum bald seine Tanzfähigkeiten und begann auch sogleich mit dem Experimentieren. Dass dabei mehrere Köpfe, Füße, Daumen und andere Körperteile in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist nun mal teil einer Konzertkultur, die sich Körperkontakt ganz hoch auf die Fahne geschrieben hat. Und wenn, wie im Falle von Groningen, mindestens die Hälfte des Publikums sich in einem Drogen- oder Alkoholrausch befindet, dann kann man sich vorstellen, in was für einer Hölle sich die AEH bald wiederfanden. Es sei allerdings angemerkt, dass die AEH keineswegs etwas dagegen hatten an diesem Höllentanz teilzunehmen! Der Dirigent des teuflischen Orchesters schien allerdings etwas angeschlagen zu sein und nahm im Gegensatz zu sonst wenig Anteil am Publikum; wie wir später erfuhren, war er erst kurz vorher von einer Ägypten-Reise zurückgekehrt und vielleicht ließe sich auch so die kleine Bartpracht erklären, mit der er der einen oder anderen Dame im Raum einen Schrecken einjagte (die propperen Norwegerinnen ließen sich davon allerdings nicht beirren). Alles in Allem ein solides Kaizers Konzert mit einem sehr spacigen Publikum. An dieser Stelle sollte auch ein Dank an die Crew des Vera gehen, die alle ehrenamtlich (!) dafür gearbeitet haben, dass das Konzert, das übrigens ausverkauft war, ein voller Erfolg wurde.

"De Nachten": Kulturchaos in Antwerpen


Strange Place

War das Konzert in Groningen eine äußerst wilde und schweißtreibende Angelegenheit, so erlebten wir in Antwerpen unser blaues Wunder. In einem riesigen Universitätsgebäude fand ein kulturelles Event statt, das viele verschiedene Veranstaltungen unter einem Dach beherbergte. Kulturell interessierte Menschen hatten so die Gelegenheit, sich stundenlang vor einem Bildschirm zu stellen, um einer Katze beim Schlafen zuzuschauen (Dali lässt grüßen..) oder anderen intellektuellen Tätigkeiten nachzugehen. Oder man konnte sich an Workshops beteiligen, wo Brainstorming und Creative Writing dabei helfen sollten, mal ganz tief in sich hineinzuschauen. Also, ganz spannende Sachen, die total avantgardistisch und total neu und frisch und anders und anarchisch und sowas von noch nie dagewesen waren... Und in Mitten dieser gekünstelten Atmosphäre sollten nun Kaizers spielen??? Ja, meine Kinder, und zwar in einer riesigen, bestuhlten (!) Aula, in der normalerweise ehrgeizige Musikschüler am Klavier ihre ersten Konzerte geben und Schultheateraufführungen hoffnungsvolle Eltern zu Tränen rühren. Wir setzten uns also in die erste Reihe und harrten der Dinge, die da kommen mochten. Zuerst kamen drei junge Dichter, die jeweils 10 Minuten lang ihre poetischen Ergüsse zum Besten gaben. Nun, ich verstehe nicht viel niederländisch, aber in dem Moment, wo ein stylischer Milchbubi mit gegeltem Haar mit Nietzsche um sich wirft, und dann auch noch das Publikum hysterisch lacht, weil gerade eine etwas schweinische Szene beschrieben wurde, dann möchte ich mich zu Hause in meine Bücher verkriechen und Elke Heidenreich im Fernsehen freudig begrüßen. Nach dieser etwas außerirdischen Begegnung kamen dann endlich die Kaizers auf die Bühne. Thomas und Karsten konnten sich allerdings nicht mehr auf ihren Stühlen halten, und auch wir (drei an der Zahl) sprangen bald von unseren Sitzen. Was soll's, wir machen uns zum Affen für Kaizers. Das komische Publikum hatte es verdient. Man stelle sich folgende Szene vor: auf einer riesigen Bühne haut eine Band, davon einer mit Gasmaske, auf Tonnen und Autofelgen, und davor steht eine Handvoll Bekloppter und tanzt und brüllt sich die Seele aus dem Leib. Das MUSS komisch ausgesehen haben, selbst für die Band. Immerhin trauten sich dann immer mehr junge Leute aus dem Publikum aufzustehen und einige kamen sogar nach vorne, um sich uns Anarchisten anzuschließen. Als dann Janove das etwas verwirrte Publikum dazu aufforderte, endlich aufzustehen, da folgte es ihm wie ein Haufen hypnotisierter Kaninchen, und so hatte auch dieses Konzert ein Happy End. Kaizers durften nur 40 Minuten spielen, und so bekam das Publikum einen Kracher nach dem anderen zu hören, die Band gab Gas und meisterte die seltsame Sitauation mit Professionalität und viel Gefühl. Der Veranstalter des Festivals hat übrigens nach diesem Konzert gesagt, dass in den sechs Jahren, wo er diese Veranstaltung organisiert, noch nie das Publikum gestanden und getanzt hat. Jahahahaha, sie hatten nicht mit Kaizers gerechnet!!

Kaizers go Folk

Tilburg, Deine CD-Läden sind gut sortiert, sprich Ihr verkauft Kaizers! Es galt nun wieder, einen ganzen Tag in einer fremden Stadt zu verbringen, um danach wieder eine Stunde lang den Kaizers auf die Schuhe zu schauen (die Bühne war in dieser Halle ungewöhnlich hoch). Nach einem ausgiebigen Frühstück, mehreren Kaffees, Bieren, Herumstöbern in Musikgeschäften, noch mehr Essen, Bier und Kaffee, rollten wir dann auch Richtung 013, wo Kaizers im Rahmen eines Folk Festivals spielen sollten. Das Publikum war dementsprechend etwas älter und nur wenige Leute waren gezielt wegen Kaizers gekommen. Zum ersten Mal trafen wir auch den Manager der Band, Eivind, der extra aus Oslo angereist war, um den Jungs mal auf die Finger zu schauen und zu sehen, wie sie sich im Ausland machen.

Die erste Überraschung und damit das erste Highlight des Abends war Bjørn "The Stringmachine" Berge aus Norwegen, ein Koloss von einem Mann mit einem nimmermüden Lächeln, der mit seiner Gitarre und seiner rauchigen "hör-mal-Mädel-ich-bin-ein-Cowboy-und-ich-besorge-es-dir-jetzt-mal-richtig"-Stimme ein absolut grandioses Saiteninferno veranstaltete und sogar mir den wahren Blues näherbrachte. Tja, diese Norweger machen anscheinend alles besser. So wie unsere geliebten Kaizers, die wieder einmal auf einer riesigen Bühne vor einem sehr zahlreichen Publikum ihr Können unter Beweis stellen konnten. Vor allem Ersatzbassist Kristoffer alias Prince William Kaizer, der für Øyvind die Stellung halten musste, bekam hier die Gelegenheit zu zeigen, was aus einem Kontrabass herauszuholen ist: nämlich Sex! Geschmeidig wie ein Aal windet sich dieser hochgewachsene Nobelmann um sein Instrument und schaut dabei wie der Darsteller eines Soft-Pornos aus. Herrlich!!!! Da ich mir diesmal das Konzert von weiter hinten angeschaut habe, muss ich doch auch anmerken, dass Kaizers ein sehr starkes und beeindruckendes Gesamtbild abgeben, bei dem alles stimmt. Mindestens 250 Konzerte machen ein so stimmiges erst Gesamtkonzept möglich. Ein absolut grandioser Sound und eine coole Lightshow waren die weiteren Stärken dieses Konzertes. Vor der Bühne tummelten sich Fans und junges Volk, während das etwas ältere, aber nicht weniger begeisterte Publikum sich in den hinteren Bereichen aufhielt. Ein weiterer Erfolg für Kaizers!

Getting jiggy with it in Haarlem

Und so kommen wir auch schon zum letzten von der AEH mehr oder weniger bewusst erlebten Kaizers Konzert dieser Holland-Tour (ich war z.B. todmüde). Nachdem wir, insbesondere Karsten, festgestellt hatten, dass man in Haarlems chinesischen Restaurants durchaus sehr scharf essen kann (Du wolltest es so haben, mein lieber Karsten!) ging es dann auch schon ins Patronaat, wo Kaizers, bereits zum dritten Mal von der niederländischen Band Stuurbaard Bakkebaard unterstützt wurden, die dieses Mal leider etwas verloren auf der -recht kleinen- Bühne wirkten. Vielleicht lag es daran, dass das Publikum auf Kaizers wartete und keine Lust auf Stuurbaard Bakkebaards etwas schwerfällige, aber nicht desto trotz amüsante und originelle Musik hatte. Das Konzert in Haarlem wurde auf jeden Fall ein berauschendes Konzert mit dem typischem Kaizers-Publikum, also aufgeschlossen und zu allen Schandtaten bereit, und absolut geiler Stimmung. Da hat dann auch "Evig Pint" als Opener nicht geschadet, vielmehr hatte das Publikum so noch ein bisschen Zeit, sich langsam auf Kaizers einzustellen. Der Prinz hat wieder seinen Kontrabass beglückt, Killmaster hat auf die Tonne gedroschen, was das Zeug hielt, Janove ließ sich von kleinen Mädchen im Publikum auf den Hintern hauen und war auch sonst an der Interaktion mit der jubelnden Menge interessiert, Hellraizer schien sich übermäßig zu amüsieren, Rune hockte sich wieder auf seine Drums (gutes Zeichen dafür, dass er sich wohl fühlt) und Helge entlockte seinem Organ schaurigste transylvanische Klänge. Was soll man noch sagen? Was will man mehr? Das war mein siebzehntes Konzert und freue mich immer noch auf das nächste. Entweder habe ich einen Sprung in der Schüssel oder Kaizers sind einfach nur die beste Liveband der Welt (eine Kombantion aus beiden Möglichkeiten kann ich allerdings nicht von der Hand weisen..).

FAZIT: Oh, Herr Ryan Air, bring mich sicher nach Oslo! :-) Shirin

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