Zahl

Geir Zahl Zahl solo

Geir Zahl bekam, als er 11 Jahre alt war, zu Weihnachten Knutsen & Ludvigsens "Juba Juba" (Norwegisches Duo, das Kindermusik spielt) und Bruce Springsteens "Born In The USA" geschenkt.

Als er 16 war, begann Geir Zahl im Keller mit seinem Freund Janove Ottesen Gitarre zu spielen. Sie alberten herum, schrieben seltsame Songs und Texte, lachten viel und hatten keine Ambitionen. Das Songwriting wurde aber mit der Zeit etwas ernsthafter und die zwei Freunde gründeten später die hoch erfolgreiche Ölfässer-schlagende Gypsy-Rock und Punk-Adrenalin-inspirierte Band Kaizers Orchestra.

Fünf Jahre und drei Alben später, ist Zahl bereit, sein Solo Album "Nice For A Change" zu veröffentlichen. Sein Solo-Projekt unterscheidet sich in vielen Punkten vom spastischen osteuropäischen Ausdruck von Kaizers. Zahl erforscht vielmehr den amerikanischen Singer-Songwriter-Style, auch Americana genannt. Knutsen & Ludvigsen und Bruce Springsteen hallen noch in seinen Songs nach...

Das Album wurde am 19. Februar 2007 veröffentlicht.

Text stammt von Zahls My Space Seite


Für den Save-Me-Kaizer Adventakalender 2006 machten wir mit Geir ein Interview über sein Solo-Projekt und seinen musikalischen Werdegang. Geir spricht hier über Kindheits-Idole, seine Arbeitsweise und sein Solo-Debüt "Nice for a change".

Interview vom 15.12.06

In welchem Alter fingst du an, dich für Musik zu intressieren? Und welche Instrumente hast du ausprobiert?

Die ersten zwei Alben, die ich wirklich viel hörte, waren Knutsen & Ludvigsens „Juba Juba“ und Bruce Springsteens „Born in the USA“. Da war ich elf. Um es kurz zu machen, Kaizers und meine Solo-Musik gehen auf diese Sachen zurück. Als ich 16 war, war ich auch sehr von dieser Grunge Sache eingenommen. Kurt Cobain war ein Held und 1991 war musikalisch ein gutes Jahr. In dem Jahr gab es großartige Alben von den Red Hot Chilli Peppers, U2, The Smashing Pumpkins, Rage Against The Machine, Cypress Hill und Nirvana. Und wie du wahrscheinlich weißt, bin ich ein großer Tom Waits Fan. Das fing an, als ich 19 oder 20 war.

Instrumente. Es stellte sich heraus, dass Saiteninstrumente was für mich waren, nicht so was wie Violine, aber Bass und Gitarre. Ich hatte eine kurze Karriere als Klarinettist in einer Schulband. Ich hab’s gehasst.

Was für Musik hast du gehört, als du klein warst?

Nicht so viel eigentlich. Mein Bruder war Queen Fan, also hörte ich das auch ein bisschen. Queen haben ziemlich coole Sachen gemacht, aber es war nie wirklich „meine“ Musik. Bei Nirvana hatte ich mehr das Gefühl, dass es meine Richtung ist, das war wohl so ein Generationen-Ding. Sprach mich direkt an.

Kannst du dich an das erste Album erinnern, das du dir selber gekauft hast?

Ich erinnere mich daran, DumDum Boys „Pstereo“ auf Vinyl gekauft zu haben. Ich glaube, das muss die erste Platte gewesen sein, die ich mir selbst gekauft habe, das war so um 1990. Das war eine große Investition. Ich habe aber nie so viele Platten gekauft.

Wann fingst du an, die ersten Songs für dein Soloprojekt zu schreiben?

Ich hatte schon so ein bisschen mit ein paar Ideen herumgespielt, aber richtig hingesetzt habe ich mich nach Kaizers erster Europa-Tour im September oder Oktober 2003. Janove und Susanne hatten gerade ihr zweites Kind bekommen, weswegen er wollte, dass wir drei Monate Pause machen. Ich hatte das Gefühl, dass ich auf meinen eigenen Füßen stehen können sollte, um mich nicht auf jemanden verlassen zu müssen, um weiter Musik zu machen. Das gab mir einen Ruck, um die Sachen, die in meinem Kopf herumschwirrten, ein bisschen auszukundschaften, und es gab mir die Zeit herauszufinden, wie ich sie ausdrücken kann. Ich habe da im Grunde zwei Monate dran gesessen. Schrieb Songs und arbeitete an den Texten. Es dauerte auch lange, bis ich herausfand, wie ich die Sachen singen sollte, damit sie ok klangen. Bis zum Herbst 2004 habe ich allerdings nichts aufgenommen. Eigentlich nur aus Angst, die Songs würden verglichen mit den Ideen, die ich hatte, scheiße klingen. Im Herbst 2004 setzte ich mich also mit einem Mikro und meinem Mac hin und nahm in meiner Küche ein einfaches Demo auf, das ich den Musikern gab, die jetzt auf meinem Album spielen.

Was schreibt du zuerst, die Musik oder die Texte?

Meistens erst den Song, dann die Texte. Ich muss den Song erst richtig kennen, bevor ich herausfinde, was er auszusagen versucht. “Friday Nights“ war wohl eine Ausnahme. Da hatte ich die erste Zeile von einem Klospruch im Backstagebereich der Columbia Halle in Berlin („It seems like every woman`s a widow“). Wir hatten unseren Nightliner dort geparkt und hatten einen freien Tag. Wir waren noch total verkatert von einer chaotischen Nacht im Wild at Heart, in der MLK (Marek Lieberberg Konzertagentur) die Zeche zahlte. Dieser Satz sprach mich wirklich an und ich knobelte die Melodie und einige weitere Zeilen an Ort und Stelle aus.

Du hast dein Soloprojekt einfach „Zahl“ genannt. Stand das von Anfang an fest oder hast du schon versucht, einen Namen für das Projekt zu finden?

Ich hatte ein paar Ideen für einen Bandnamen, aber die anderen wollten nichts davon wissen. „Wenn es für Cash funktioniert, funktioniert es auch für Zahl“, meinte unser Gitarrist Bård. Zahl ist irgendwie ein komischer Name, ich denke, das ist schon ok so. Wir werden sehen, wenn alles schief geht, kann ich es auf den Namen schieben…

Was würdest du sagen, welche Bands und Musiker die Vorbilder für dein Soloprojekt sind?

Sachen, die ich und die Jungs in der Band viel gehört haben, wie Bruce Springsteen, Ryan Adams, Tom Petty, Tom Waits, Lemonheads, Jayhawks, Bob Dylan, Gram Parsons, Damian Rice, The Band. Gutes Songwriting spricht mich immer an, also versuche ich, vor allem gute Songs zu schreiben. Ich glaube das tut jeder, aber hey, du hast mich danach gefragt!

Wirst du nächstes Jahr mit „Nice for a Change“ auf Tour gehen? Wenn ja, wird Europa auf dem Speiseplan stehen?

Wir werden Februar und März in Norwegen touren und hoffentlich auf ein paar Sommerfestivals spielen. Wir haben noch keine Pläne für internationale Gigs, aber wir werden sehen, wie die Dinge sich hier entwickeln, und ob Labels und Booking Companies außerhalb von Norwegen Interesse bekunden. Ich würde unheimlich gerne mit diesen Jungs nach Europa kommen.

Bedeutet der Titel „Nice for a change“ auch so was wie „mal was anderes als Kaizers Orchestra“?

Hehe. Der Hellraizer nimmt sich eine Auszeit… ich mag diese Zeile "why don´t you change and be nice for a change". Vielleicht habe ich es deswegen ausgewählt.

Hast du schon Songs für ein zweites Album?

Yepp. Ungefähr zehn Stück. Allerdings ist noch nicht alles fertig. Einige Sachen sind auch von dieser Session übriggeblieben, einige ruhigere Sachen. Aber erst muss ich schauen, ob irgendjemand das erste Album haben will. Ich kann es mir nicht leisten noch eins zu machen, wenn keiner das hier kauft. Das sind wohl die Gesetze der Physik.

Vielen Dank für das Interview Herr Zahl!