
Auf ihre Evig Pint Tour in April 2004 nahm Kaizers Orchestra einen Freund namens Pål Jackman mit, der vielen norwegischen Fans schon durch seine Band Wunderkammer ein Begriff ist. Wunderkammer, in der auch Kaizersbassist Øyvind "Thunder" lange Zeit sein Unwesen trieb, gibt es nicht mehr, aber die Musik kann sich nach wie vor hören lassen. Pål Jackman ist übrigens nicht nur Musiker, er schreibt Drehbücher, dreht Filme und gehört sicherlich zu den schillerndsten und interessantesten Persönlichkeiten der norwegischen Künstlerszene. Da Jackmans kurze, aber mitreißenden Auftritte großen Anklang beim Kaizerspublikum fanden, dachten wir damals, es wäre interessant, dem guten Mann ein paar Fragen zu stellen. Das Interview wurde in Antwerpen von Joyce de Groot aus Holland auf Englisch geführt. Das hier ist unsere Übersetzung.
Joyce: Wie ist es für dich, mit Kaizers auf Tour zu sein??
Jackman: Großartig! Sie sind meine Freunde und wir haben auf der Tour und im Bus viel Spaß. Es ist schön, das Publikum für sie aufzuwärmen.
Joyce: Hast du das Gefühl, das es gut klappt?
Jackman: Ja, es klappt gut, und es ist eine Herausforderung. Es kommen so viele Leute, um sie zu sehen.

Joyce: Du spielst ein sehr kurzes Set. Ich glaube es ist schwer, die ganze Energie von Wunderkammer solo und in ein paar wenigen Liedern zu übermitteln.
Jackman: Ja, das ist es. Ich habe ja auch einige introvertierte Songs. Wir haben fünf Songs, in die ich die Energie des gesamten Sets hineinzustecken versuche. Es klappt gut. Ich bin nach jedem Auftritt nassgeschwitzt.
Joyce: Wie kam es dazu, dass du teilweise Gedichte für deine Songs benutzt, vor allem den "Erlkönig"?
Jackman: Es ist ein wunderschönes Gedicht, das ich las, als ich 1989 durch Osteuropa reiste, als ich noch jung war. Ich kaufte in Ostdeutschland dieses Buch, das "Gedichte von Goethe" hieß. Ich kann deutsch lesen. Als ich den "Erlkönig" las, war ich sehr beeindruckt. Es hat mich wirklich umgehauen und mich so sehr inspiriert, dass ich den Song daraus machte. Ich wusste nicht, dass es so berühmt war, obwohl ich natürlich schon von Goethe gehört hatte. Ich wusste aber auch nicht, dass Schubert schon eine Version hatte. Er hatte die Begleitung für Gesang geschrieben. Ich lernte sie später kennen, als Tanja, die Cellistin in meiner Band sagte, dass ich die Schubert Version unbedingt hören muss.
Joyce: Was ist der Unterschied zwischen deinen Solo-Shows und den Auftritten mit der Band, die ja aus vielen Musikern besteht. Wie ist es, keine Musiker zu haben, die dich unterstützen?
Jackman: Es ist eine Herausforderung. Ich muss den Takt halten, während ich Gitarre spiele. Es ist schwierig, aber es macht auch Spaß. Ich muss das "ahahaha" anstelle der schönen Violine selber machen. Das ist auch, warum ich diese Schuhe gekauft habe (zeigt auf seine Holzpantoffeln), um den Takt zu halten. Aber ich vermisse die Band auch, denn es ist eine gute Band. Für das Kaizers Publikum ist es auf jeden Fall schön, vorher ein bisschen Humor und auch Entspannung zu haben. Nicht irgendwelche "bang bang" Sachen, sondern eben dieses kleine Set. Ich finde das funktioniert sehr gut. Es muss nicht laut sein, um energetisch zu sein. Das ist das beste an allem: die ganze Energie ganz alleine zu zu vermitteln.
Joyce: Ich mag das Pfeifen sehr. Wie in Hannover, als Øyvind auf die Bühne kam und dir beim "Erlkönig" pfeifend Gesellschaft leistete.
Jackman: Wir würden das gerne öfter machen, aber Øyvind hat jetzt einen neuen Boss (lacht).
Joyce: Welche anderen Projekte verfolgst du noch?
Jackman: Momentan schreibe ich einen Film, damit beschäftige ich mich sehr. Und ich arbeite an einem neuen Wunderkammer Album und werde einige neue musikalische Bereiche auskundschaften. Ich sage es nicht so gerne öffentlich, aber ich werde ein wenig mit arabischer Musik experimentieren. Ich mag sie sehr gerne. Ich habe ein Tar zu Hause (ein persisches Instrument). Außerdem werde ich auch ein wenig afrikanische Musik und norwegische Folklore auskundschaften. Damals war ja Europa eher sowas wie ein Teil Asiens, und das kann man immer noch in der europäischen Volksmusik hören. Und dann mache ich auch noch Theatermusik und vielleicht leite ich ein Theaterstück. Ich werde sehen, ob ich Zeit dazu finde. Es gibt so viele Dinge, die man tun kann. Und man muss die Dinge ja auch ordentlich machen.
(Danach sang uns Herr Jackman noch ein paar Takte aus dem
herzzereißenden "Welcome To My World" und ein norwegisches Volkslied. Wow!
Was für eine Ehre!!!)