
Wir wissen nicht, wie dieser Mann das schafft, aber
neben zahlreichen Touren mit Kaizers Orchestra und den Vorbereitungen für das
neue Album, ist er Frontmann der wiedergegründeten norwegischen Band Skambankt.
Und das ist ihre Botschaft an die Welt:
Die vergangenen Jahre sind stark von Überwachung, Kapitalimperialismus,
Korruption und religiösem Fanatismus geprägt gewesen. Damit rechnet
Skambankt jetzt ab. Skambankts Ziel ist, einer kranken Gesellschaft, die von
Korrupten und Machtgierigen gesteuert wird, entgegenzuarbeiten. Durch Musik
und Aktionen soll die Macht dem Volk zurückgegeben werden. Skambankt
will die Grandiosa-Generation aus dem Winterschlaf wecken.[...]
Unser christliches Kulturchaos muss ein Ende nehmen. Die Macht des Kapitals
soll nicht mehr unser Leben bestimmen. Skambankt kann sich ohne Scham als Norwegens
einzig wahre Punkrockband bezeichnen, und will sich die Punkmusik von den oberflächlichen
MTV Idioten zurückholen und den Kids echten Stoff geben. Skambankt ist
der Sound von Aufruhr, aufgesprungenen Lippen, gebrochener Nase, blutigen Knöcheln
und gebrochenen Rippen. Wenn schon die Leute nicht körperlich gestraft
werden, so sollen sie doch musikalisch und verbal ernsthaft zum Nachdenken geprügelt
werden.[...]
Gekürzte Übersetzung der Pressemitteilung, Original auf http://www.skambankt.com
Offizielle Seite der Band: http://www.skambankt.com
Neue englische Fanseite mit aktuellen News von Susi S.: http://skambankt.konzertjunkie.de/
Skambankt auf Myspace.com: http://www.myspace.com/Skambankt
Punkrock heute: man nehme ein paar picklige Highschool-Teenager
mit Hundeblick, stecke sie in coole Skater Klamotten, steche ihnen ein paar
Piercings in Nase und Lippen, mache ihnen einen stylishen Möchtegern-Iro,
tätowiere sie von oben bis unten und lasse sie die Fäuste schwingend
Texte über doofe Lehrer und angepasste Teenager singen. Ab und zu lasse
man sie dann auch mal "suck" oder "fuck" sagen und klebe
"Parental Advisory" Stickers auf ihre CDs. Genau da stehen Skambankt
auf und brüllen: "No way!" Denn sie wollen wieder richtigen
Punkrock mit Niveau und Verstand! Das erste Konzert im Rahmen ihrer "Reformatour"
im Osloer Alternativschuppen "Garage" hat es gezeigt.
Terje Vinterstø, bekannt als der Gitarrist "Killmaster" in
Kaizers Orchestra, ist hier Frontmann und Anführer der Viererbande. Der
politische Hintergrund der Show wurde von der an kommunistische Uniformen
gemahnende Kleidung der Band unterstrichen. Zudem hatte Terje ein zweites
verzerrendes Mikrofon, durch das seine geschrienen Ansagen und Parolen sehr
aufrührerisch rüberkamen. Vom sympathischen Killmaster, wie man
ihn bei Kaizers gewohnt ist, war nichts zu sehen. Vorne stand ein zorniger
Mann, der sich seine ganze Wut und Frustration aus dem Leib schrie. Und siehe,
der Mann kann singen, oder eher shouten, was das Zeug hält. Die Stimme
klingt rauh und kraftvoll, und die Musik ist straighter, schneller Punk'n'Roll
mit starken Anleihen an Motörhead. Skambankts Texte sind erstens norwegisch,
zweitens sozialkritisch und engagiert. Songtitel wie "Me Sa Nei",
"Aggresjonens Aggregat", "Systemets Makt", "Politistat"
und "Kapitalens Spell" lassen vermuten, dass vielleicht sogar Marx
und Orwell die Finger im Spiel hatten. Skambankt sind meilenweit davon entfernt,
Lilatrulala-Wannabe-Punkpop Texte à la Blink 182 oder Good Charlotte
zu machen, bei denen Sozialkritik - wenn überhaupt - nur hippes, vermarktungsstrategisch
eingesetztes Beiwerk ist.
Die "Garage" war nur halb gefüllt, aber das Konzert hat ordentlich
Arsch getreten, zumal alle Musiker ohne Ende Gas gegeben haben. Ob man die Jungs
jemals im Ausland bewundern darf, ist fraglich, aber es ist allemal schön
zu wissen, dass es Bands wie Skambankt gibt. Viva la revolución!
Shirin